Britische Banken geben klein bei

Versicherungsskandal brockt Branche Milliardenlasten ein

Titus Kroder, London,

und Anja Krüger, Köln

Britischen Banken drohen neue finanzielle Belastungen von 8 Mrd. Pfund (9 Mrd. Euro). Die Branche warf gestern in der Machtprobe mit der Finanzaufsicht FSA das Handtuch: Großbanken wie Lloyds, Barclays und HSBC erklärten sich bereit, Kunden voll zu entschädigen, denen sie jahrelang untaugliche Restschuldversicherungen verkauft hatten. Dabei handelt es sich um Policen, die angeblich sicherstellen, dass Kredite zurückgezahlt werden, falls der Schuldner dazu nicht mehr in der Lage ist. Experten schätzen, dass die Zahl der Regressfälle nun in die Millionen gehen wird.

Der Skandal ist der größte der britischen Branche seit knapp 20 Jahren. Die Banken hatten Kunden, die kleinere Darlehen aufnahmen, sich Immobilienfinanzierungen oder eine Kreditkarte besorgten, entweder unbemerkt eine solche Versicherung untergeschoben – oder sie verkauft und dabei verschwiegen, dass sie in vielen Fällen, etwa bei Freiberuflern, gar nicht greift. Über mehr als eine Dekade nahmen die Institute so rund 5,5 Mrd. Pfund im Jahr ein. Nun müssen die Banken die Kunden entschädigen. Allein Lloyds, Barclays, HSBC und RBS haben dafür nun Rückstellungen von 4,4 Mrd. Pfund gebildet.

Restschuldversicherungen sind auch in Deutschland populär und wie in Großbritannien regelmäßig Zielscheibe der Kritik von Verbraucherschützern. Das Marktvolumen wird auf rund 2 Mrd. Euro Prämieneinnahmen im Jahr geschätzt. Ende 2010 hatte die deutsche Branche offiziell 3,3 Millionen Verträge im Bestand. Verbraucherschützer monieren, dass Banken, Sparkassen oder Händler die extrem teuren Policen an Konsumentenkredite gekoppelt verkaufen und dafür hohe Provisionen von bis zu 40 Prozent der Prämie bekommen. Führend in dem Segment ist in Deutschland Talanx. Der Konzern bietet die Policen über drei Gesellschaften – Neue Leben, Targo-Versicherung und PB-Versicherung – an. Talanx macht weder Angaben zur Höhe der Provisionen noch zu den Vorwürfen von Verbraucherschützern.

Das britische Debakel: Seite 16

Was Verbraucher wissen müssen: Seite 21

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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