Hoffen auf die Wende

Wie Anbieter geschlossener Fonds das in der Krise verlorene Vertrauenwiedergewinnen wollen

Patrick Hagen

Die Finanzkrise und die schlechten Nachrichten aus der Schifffahrt haben Anbietern und Vermittlern von geschlossenen Fonds in den vergangenen zwei Jahren stark zugesetzt. Schieflagen von Schiffsbeteiligungen und Forderungen an Investoren, Geld nachzuschießen, haben die Anlageklasse in Verruf gebracht. Jetzt wollen die Emissionshäuser das Vertrauen von Vertrieb und Anlegern mit sichereren Produkten zurückgewinnen.

Mit geschlossenen Fonds können sich Privatanleger an Schiffen, Flugzeugen oder Immobilien beteiligen. Sie liefern das Eigenkapital, eine Bank stellt das Fremdkapital per Kredit. Neue Fonds setzen jetzt darauf, den Bankkredit besonders schnell zurückzuzahlen. Doch der Weg zurück zu den Platzierungszahlen der Vergangenheit ist noch weit. Der Verkauf von Fondsanteilen hat immer noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht.

Im ersten Quartal 2011 konnten die Mitglieder des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) nur 803 Mio. Euro einsammeln, das ist ein Rückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Verkauf von Schiffsbeteiligungen ging um 16 Prozent zurück auf 82,9 Mio. Euro, davon entfiel rund die Hälfte auf Eigenkapitalerhöhungen für angeschlagene Fonds.

Fonds mit deutschen Immobilien, die im Vorjahr gut liefen, erlebten einen Rückgang um gut ein Viertel auf 248,3 Mio. Euro. Das schwache Ergebnis sei auf das geringe Angebot zurückzuführen, so der VGF. „Immobilienfonds mit Objekten in guter Lage, langfristigem Mietvertrag und bonitätsstarkem Mieter werden im Markt sehr gut angenommen“, sagt auch Florian Maack, Geschäftsführer beim Hamburger Emissionshaus Nordcapital. „Wir hätten durchaus noch mehr solcher Produkte platzieren können.“ Die geeigneten Objekte zu finden, sei allerdings zunehmend schwierig.

Immobilienfonds genießen bei den Vermittlern hinter dem Bankschalter traditionell höheres Vertrauen als Schiffsbeteiligungen. Aus dem Verkauf von Schiffsbeteiligungen haben sich viele Banken zurückgezogen, als Nachrichten über Fonds mit Problemen sich häuften. Beim Verkauf von Immobilienbeteiligungen dominieren die Kreditinstitute.

Langsam werde das Interesse an Schiffsfonds wieder stärker, sagt Andreas Arndt, Vertriebsleiter beim Fondshaus HCI Capital aus Hamburg. „Im Gegensatz zu den vergangenen Monaten beschäftigen sich Sparkassen und Banken inzwischen wieder mit dem Thema Schiff.“ Bei Schiffsbeteiligungen spielen außerdem traditionell unabhängige Vermittler eine größere Rolle als bei Immobilien.

Das liegt offenbar auch an den neuen Angeboten. „Die Emittenten strengen sich jetzt mehr an“, sagt Helmut Schulz-Jodexnis, Leiter des Produktbereichs Beteiligungen beim Maklerpool Jung, DMS & Cie, der auch geschlossene Fonds verkauft. Schulz-Jodexnis hat beobachtet, dass die Emissionshäuser bei ihren Fonds konservativer geworden sind. „Im Moment haben wir Schiffsprodukte, die teilweise besser sind, als alles was wir jemals hatten“, sagt er.

Ein Manager eines Emissionshauses bestätigt, dass die Anbieter zugunsten der Kunden an ihrer Marge sparen. „Zurzeit ist unsere Vergütung als Projektentwickler eher nicht risikoadäquat“, sagt er. „Solche Produkte wird es nicht lange geben.“

Auch die wirtschaftlichen Probleme der großen Emissionshäuser haben dazu beigetragen, dass sich Vertriebe von einzelnen Anbietern abgewandt haben. „In der Krise haben sich Vertriebe ihre Partner genau angesehen“, sagt HCI-Vertriebschef Arndt. „Es gab auch Partner, die zwischenzeitlich kein aktives Neugeschäft mit uns gemacht haben.“ Das Unternehmen stand, wie die Konkurrenten MPC Capital und Lloyd Fonds, vor der Pleite und musste umfangreich restrukturiert werden.

Mittlerweile befasst sich auch der Gesetzgeber mit der Branche, die lange unreguliert war. Freie Vermittler geschlossener Fonds müssen laut einem Gesetzentwurf künftig ihre fachliche Eignung durch ein Zeugnis einer Industrie- und Handelskammer belegen. Außerdem müssen auch sie ein Beratungsprotokoll erstellen und nachweisen, dass sie eine Berufshaftpflichtversicherung haben. Bankberater müssen das heute schon. „Wir sehen es positiv, dass sich nur noch diejenigen vermitteln können, die über das notwendige Know-how verfügen“, sagt Nordcapital-Geschäftsführer Maack. „Das ist eine Chance für die Branche, das Image des grauen Kapitalmarkts abzulegen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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