Krankenversicherer Debeka will Abschlusskosten deckeln

Vorstandschef fordert Begrenzung aller Vertriebskosten

Ilse Schlingensiepen , Koblenz

Der führende private Krankenversicherer (PKV) Debeka hat sich für eine Deckelung der gesamten Abschlusskosten innerhalb der eigenen Branche ausgesprochen. Dies sei der bessere Weg, als – wie von der Politik gefordert – nur die Provisionen zu kappen. „Es gibt am Markt Exzesse, die eindeutig über das Ziel hinaus schießen“, sagte Vorstandschef Uwe Laue. Bei der Suche nach einer Regelung dürfe es nicht nur um hohe Provisionen für Finanzvertriebe gehen. Die gesamten Vertriebskosten bis hin zu Werbeausgaben müssten in den Blick rücken, forderte Laue. Schließlich würden die Kunden mit allem belastet.

Die Debeka ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und hat traditionell geringe Abschlusskosten. Sie verkauft über den angestellten Außendienst, kooperiert nicht mit Finanzvertrieben und verzichtet auf Werbung. Laue fürchtet aber einen dauerhaften Imageschaden für die PKV durch extrem hohe Abschlusskosten bei Rivalen. Die Mehrheit der PKV-Branche sucht schon länger nach einer Lösung, um die Vermittlungskosten zu deckeln, stößt dabei aber an wettbewerbs- und kartellrechtliche Grenzen sowie auf den Widerstand einzelner Unternehmen.

Inzwischen haben sich Bundesregierung und CDU-Fraktion des Themas angenommen und arbeiten an einer gesetzlichen Regelung. Im Gespräch ist eine Begrenzung der Provisionen auf neun bis zwölf Monatsbeiträge. Geplant wird auch die Verlängerung der Stornohaftung von zwei Jahren auf fünf Jahre. Das ist die Frist, in der Vermittler einen Teil der Provision zurückzahlen müssen, wenn ein Kunde kündigt. „Die Verlängerung auf fünf Jahre würde die Abschlusskosten um 20 Prozent senken“, sagte Laue.

Die Debeka Kranken hat 2010 deutlich zugelegt. Die Beitragseinnahmen nahmen um 7,5 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro zu. Bei der Zahl der Vollversicherten gab es ein Plus von 1,7 Prozent auf 2,1 Millionen. Die gesamte Debeka-Gruppe kam inklusive Pensions- und Bausparkasse auf Einnahmen von 12 Mrd. Euro, ein Plus von 4,2 Prozent zum Vorjahr.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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