Staatshilfe stört die Commerzbank

EU-Auflagen behindern Integration der Schiffsbank

Patrick Hagen , Köln

Die Beteiligung des Bundes erschwert es der Commerzbank, die Deutsche Schiffsbank zu integrieren. Nach FTD-Informationen ist das von der EU-Kommission verhängte Übernahmeverbot der Bank dabei im Weg, die restlichen Anteile des Spezialfinanzierers zu erwerben. Der Commerzbank gehören bereits 92 Prozent des Schiffsfinanzierers. Die restlichen Anteile will sie von ihrem Mitgesellschafter Unicredit erwerben. Darüber verhandeln derzeit beide Banken.

Bankkreise bestätigten, dass die Commerzbank die Zustimmung der EU braucht, wiesen aber darauf hin, dass es die Möglichkeit einer Einigung gebe. Ein Commerzbank-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Deutschlands zweitgrößte Bank unterliegt als Folge der Staatshilfe strengen Auflagen der EU-Kommission. Die Commerzbank darf keine Finanzunternehmen erwerben. Das gilt bis zum 30. April 2012 oder bis sie einen Großteil der stillen Einlagen des Bundes zurückgezahlt hat. Mit der bis zum 6. Juni laufenden Kapitalerhöhung sowie 3,27 Mrd. Euro aus ungebundenem Eigenkapital will die Commerzbank stille Einlagen von 14,3 Mrd. Euro zurückzahlen. Die stimmrechtslosen Kapitalanteile des Bundes würden so von einst 16,4 Mrd. auf 1,9 Mrd. Euro schrumpfen. Der Bund bleibt aber mit 25 Prozent und einer Aktie an der Commerzbank beteiligt.

Finanzkreisen zufolge hatte die EU-Kommission bereits eine nur von der Commerzbank getragene Kapitalerhöhung bei der Deutschen Schiffsbank kritisch beäugt. Das Hamburger Institut erhielt im August 2009 400 Mio. Euro von ihrem Mehrheitsaktionär. Dadurch erhöhte sich der Commerzbank-Anteil von 80 Prozent auf jetzt 92 Prozent. Die Kapitalerhöhung war nötig geworden, um die Bank für drohende Ausfälle bei Schiffskrediten abzusichern.

Die Commerzbank hält die Mehrheit an der Schiffsbank, seit sie die Dresdner Bank übernommen hat. Grund für die jetzigen Probleme ist ein Strategieschwenk der Bank. Ursprünglich wollte die Commerzbank verschiedene Schiffskreditportfolios im Volumen von rund 20 Mrd. Euro bei der Schiffsbank zusammenführen. Im März hat sie jedoch eine Kehrtwende eingeleitet und angekündigt, die Bank komplett zu integrieren. Laut Finanzkreisen gestaltete sich die Übertragung schwieriger als gedacht.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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