Katastrophendeckung bleibt billig

Rekordschäden für Versicherer // Preise für Rückversicherungsschutz in Europaim Keller

Herbert Fromme , Köln

Die Versicherungswirtschaft musste im ersten Halbjahr 60 Mrd. Dollar für Katastrophenschäden aufwenden. Das war fünf Mal so viel wie im Schnitt der ersten sechs Monate in den vergangenen zehn Jahren, teilte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re mit. Hauptgrund war das Erdbeben in Japan. Die volkswirtschaftlichen Schäden – versichert und unversichert – beliefen sich sogar auf 265 Mrd. Dollar und machten 2011 zum bislang schadenträchtigsten Jahr in der Geschichte.

Dennoch ist der von Rückversicherern erhoffte globale Anstieg der Preise für ihre Dienste bislang ausgeblieben. „In den direkt betroffenen Regionen sind die Preise zwar deutlich höher, aber in Europa sehen wir keinen Preisdruck“, sagte Jan-Oliver Thofern, Deutschland-Chef des größten Rückversicherungsmaklers Aon Benfield. „Das gilt auch für Deckungen von Naturkatastrophen.“

Der Hauptgrund: Es gibt mehr als genug Kapital im Rückversicherungsmarkt, die Konkurrenz unter den Anbietern ist unverändert hoch.

Die Preise für Rückversicherungsschutz – den Versicherer wie Allianz oder Zurich für Spitzenrisiken einkaufen – sind seit Jahren im Keller. Munich Re erwartet aber nach der Schadenwelle im ersten Halbjahr für sich deutlich bessere Geschäftsaussichten. „Wir können Geschäftschancen infolge einer steigenden Nachfrage nach Risikotransfer bei oftmals abnehmendem Angebot nutzen“, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek.

Die Rückversicherer tragen einen überproportionalen Anteil der Katastrophenschäden – für die Absicherung von besonders hohen Belastungen sind sie schließlich da. Deshalb beobachtet die Branche auf globaler Ebene die Ereignisse genau, Munich Re und Swiss Re veröffentlichen regelmäßig präzise Schadenstatistiken.

Nach Berechnungen von Munich Re sorgte allein das Erdbeben in Japan am 11. März für wirtschaftliche Schäden von 210 Mrd. Dollar und ist damit die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten – noch vor Hurrikan „Katrina“, der im Jahr 2005 Gebäude und Anlagen für 125 Mrd. Dollar zerstörte.

Das Japan-Beben kostet die Assekuranz nach jetzigem Stand rund 30 Mrd. Dollar, ermittelte Munich Re. Für die Branche war „Katrina“ mit 62 Mrd. Dollar teurer.

Außerdem schlugen die Erdbeben in Neuseeland, der Zyklon „Yasi“ in Australien und eine Serie von Tornados in den USA der Versicherungsbranche ins Kontor.

Das Japan-Beben war auch aus humanitärer Sicht die größte Katastrophe. Zusammen mit dem nachfolgenden Tsunami raubte es 15 500 Menschen das Leben, Tausende werden noch vermisst. Die zweitschwerste Katastrophe des ersten Halbjahrs war das Erbeben in Neuseeland am 22. Februar 2011. Es kostete 181 Menschenleben, 20 Mrd. Dollar Gesamtschaden und knapp 10 Mrd. Dollar versicherte Schäden.

Die Serie von Tornados im April 2011 in den USA sorgte für Gesamtschäden von 7,5 Mrd. Dollar, von denen die Assekuranz 5 Mrd. Dollar zahlen muss. Dabei kamen 350 Menschen zu Tode.

Die Zunahme von Tornados ist ein Resultat des regelmäßigen Wetterphänomens La Niña. Dabei ziehen Wetterstörungen aus dem Nordwesten über die zentralen Staaten der USA und treffen im Süden und Osten auf feuchtwarme Luft.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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