Allianz beendet Japan-Ausflug

Versicherer zieht sich aus wichtigem Markt zurück

Herbert Fromme , Köln

Die Allianz gibt ihr noch junges Lebensversicherungsgeschäft in Japan nach drei Jahren wieder auf. Die Gesellschaft will ab 2012 keine neuen Verträge mehr abschließen und die bestehenden 33 000 Policen abwickeln. Die Mitarbeiterzahl wird deutlich reduziert. Zurzeit beschäftigt die Lebensversicherungstochter in Japan 233 Angestellte. Für sie will das Unternehmen ein Vorruhestandsprogramm einrichten. Das Schadengeschäft der Allianz in Japan ist von der Entscheidung nicht betroffen.

Der Rückzug ist ein klarer Rückschlag für den weltgrößten Versicherungskonzern. Mit 375 Mrd. Euro Prämieneinnahmen in der Lebensversicherung im Jahr 2010 ist Japan der zweitgrößte Markt der Welt, größer sind nur die USA mit 380 Mrd. Euro. In Deutschland nahm die Branche vergleichsweise bescheidene 90 Mrd. Euro mit Lebensversicherungen ein.

Die Allianz startete im April 2008 in Japan. Verkauft wurde vor allem über Banken. Bislang setzte sie 33 000 Verträge mit Anlegergeldern in Höhe von 2,3 Mrd. Euro ab, das meiste davon floss in sogenannte Variable Annuities, flexible Renten- oder Auszahlungspolicen. Die meisten Verträge verkaufte die Allianz gegen Einmalbeitrag.

Rentenversicherungen auf Basis von Aktienindizes waren 2010 noch der Renner, verkauften sich aber 2011 kaum noch. Im ersten Halbjahr 2011 gingen die Beiträge der Allianz Life Insurance Japan in Tokio um 113 Mio. Euro auf 141 Mio. Euro zurück.

Japans Lebensversicherer leiden unter den Folgen der niedrigen Zinsen und der Börsenkrise. Dazu kamen die Folgen des schweren Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011. Insgesamt stagniert das Geschäft. Das Finanzmarktumfeld belastet gerade spezielle Policen, wie sie die Allianz anbot. Dazu kommt, dass die Banken als Vertriebsweg nicht gerade billig waren – die Allianz konkurrierte mit einer ganzen Reihe von anderen Lebensversicherungsanbietern.

Da ein großer Teil der Altersversorgung privatisiert ist, gehören die Japaner zu den Vielsparern – pro Kopf gaben sie 2010 für Lebensversicherungen 2900 Euro aus. Die Deutschen dagegen kamen auf nur 1100 Euro. Aber offenbar sah die Allianz-Führung unter Konzernchef Michael Diekmann keine Aussichten, mit dem Lebensversicherer in Tokio mittelfristig Geld zu verdienen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit