Allianz bekennt sich zu Kranken-Vollversicherung

Konzern will nach Marktanteilsverlust wieder wachsen

Herbert Fromme , Köln

Die Allianz hält trotz Zweifeln innerhalb des eigenen Konzerns an der privaten Kranken-Vollversicherung fest. „Wir wollen in der privaten Vollversicherung deutlich wachsen“, sagte Allianz-Managerin Birgit König der FTD in Reaktion auf Zweifel in der Assekuranz – auch innerhalb der Allianz-Konzernspitze – an der Zukunft des Nebeneinanders von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherern (PKV). „Der Markt für die private Vollversicherung wächst kräftig“, sagte König. Die frühere McKinsey-Partnerin ist seit September im Vorstand von Allianz Private Krankenversicherung (APKV) und soll 2012 Chefin werden.

Das deutsche duale System von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherern sorge für einen hohen medizinischen Standard, sagte König. „Es ist offensichtlich, dass andere Systeme in Europa mit einer Grundsicherung für alle große Schwierigkeiten haben, einen hohen Standard zu halten.“ Fiele die PKV weg, gäbe es in Deutschland noch weniger Praxen auf dem Land, weil die Finanzierung dann nicht mehr stimme. In den Topetagen der großen Versicherer ist die private Vollversicherung jedoch unbeliebt. Nach FTD-Informationen denkt auch die Allianz-Spitze darüber nach, künftig nur noch lukrative Zusatzversicherungen anzubieten – und die Absicherung der wesentlichen Gesundheitsrisiken gesetzlichen Kassen zu überlassen.

König wehrt sich gegen den Plan der SPD, eine Bürgerversicherung für alle einzuführen, die von Kassen und privaten Versicherern angeboten werden soll. „Das System würde durch die verschärfte Konkurrenz ineffizienter“, sagte König. „Wir haben rund 150 Krankenkassen. Da setzen wir jetzt noch mehr als 40 Krankenversicherer drauf.“ Große Kassen hätten Vorteile, weil Systeme wie die Bürgerversicherung stark von der IT abhingen. „Dabei machen sich Skaleneffekte bemerkbar.“ Zwar hat die Allianz zwischen 1999 und 2010 Marktanteile verloren – von 12,62 Prozent der Prämien auf 9,6 Prozent. „Doch werden wir uns jetzt wieder stark auf das Feld Vollversicherung fokussieren“, sagte König.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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