Kein Preisschub trotz Katastrophen

Versicherer können laut Großmakler nur in betroffenen Sektoren höhere Prämiendurchsetzen

Herbert Fromme , Köln

Die Rekordbelastung durch Naturkatastrophen hat 2011 zu spürbaren Preiserhöhungen der global agierenden Versicherungskonzerne geführt – jedoch waren diese nach der jüngsten Quartalsanalyse des Großmaklers Marsh auf die direkt betroffenen Regionen und Sparten beschränkt. „Seit dem zweiten Quartal hat es keine Gesamtveränderung im Preisgefüge gegeben“, teilt Marsh mit. Der Makler versichert vor allem Unternehmen und Regierungseinrichtungen.

Hintergrund für die andauernde Marktschwäche ist das weiter hohe Angebot an Versicherungsschutz. „Trotz der Katastrophen ist die Kapazität im Versicherungsmarkt weltweit sehr hoch“, heißt es im Bericht. „Preiserhöhungen im gesamten Markt kann man nicht feststellen.“

Ein Grund für das Überangebot: Anleger haben angesichts der Niedrigzinsen wenig Alternativen. Außerdem hoffen sie auf die weitreichende Verbesserung im Versicherungsmarkt, die von großen Anbietern wie Munich Re oder Allianz seit Jahren vorausgesagt wird.

Die Fluten in Thailand kosten mehr als 10 Mrd. Dollar und bringen die Gesamtbelastung durch Katastrophen im Jahr 2011 auf über 100 Mrd. Dollar (76 Mrd. Euro), schreiben die Marsh-Analysten: „Das ist doppelt so viel wie 2009 und der zweithöchste Wert der Versicherungsgeschichte.“ Nur 2005 musste die Branche mehr bezahlen, als die Wirbelstürme Katrina, Rita und Wilma die US-Küste heimsuchten und die Gesamtrechnung für das Jahr auf 120 Mrd. Dollar schraubten.

Die Preise steigen aber nur in den meisten von Katastrophen betroffenen Regionen kräftig an. In Japan kosten Erdbebenprogramme um bis zu 50 Prozent mehr. In Thailand müssen Firmen bis zu 30 Prozent mehr für Schutz gegen Flutschäden zahlen. In Neuseeland hat das Maklerhaus Preiserhöhungen von 30 Prozent gemessen, in Australien, Taiwan und Malaysia bis zu 20 Prozent. In den USA steigen Katastrophendeckungen bis zu 10 Prozent. In anderen Bereichen blieb es dagegen ruhig. „Ein Drittel der Kunden, die wir befragt haben, konnte sogar Preissenkungen durchsetzen“, so Marsh.

Als aktuellen Trend sieht Marsh große Sorgen bei den Versicherern von Chemie- und Energiekonzernen, wenn ihre Kunden das Fracking genannte Tiefbohrverfahren betreiben oder dafür Material liefern. Erdbeben und Wasserverschmutzung als Folge von Fracking führen zu hohen Schäden. Außerdem warnt der Makler alle Unternehmen vor einer „aggressiven Strategie“ des US-Justizministeriums und der Börsenaufsicht SEC, wenn es um die Verfolgung von Korruption geht. Sehr häufig würden Privatleute Klagen gegen Unternehmen einreichen, wenn sie gegen das Antikorruptionsgesetz verstoßen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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