Sorge um Tanker

Großpleite zeigt Probleme des Segments – aber auch andere Schiffstypen sindgefährdet

Patrick Hagen

Die Massenpleite von gleich sechs Fondsschiffen des Emissionshauses HCI Capital hat für große Unruhe unter Anlegern von Tankschiffen gesorgt. HCI hatte vergangene Woche den Investoren der Dachfonds HCI Shipping Select 28 und HCI Shipping Select 26 mitgeteilt, dass für insgesamt sechs Schiffe der Fonds Insolvenz angemeldet wurde. Mehr als 3000 Anleger zittern jetzt um ihr Geld. Wie viel sie verlieren, ist noch nicht klar. Der aktuelle Marktwert der Schiffe liegt weit unter den Außenständen, ein großer Teil des in diese Schiffe investierten Kapitals wird daher verloren sein.

Zu Beginn traf die Schifffahrtskrise vor allem Fonds, die in Containerschiffe investiert hatten. Dann litten auch Massengutfrachter, die Kohle, Erze oder Getreide transportieren. In letzter Zeit sind überdurchschnittliche viele Tankerfonds von Problemen betroffen, ergeben Zahlen des Analysehauses Deutsche Fondsresearch (DFR). Von den 35 Schiffen, die seit vergangenem November in Schieflage gerieten, waren 19 Tanker, 13 Containerschiffe und drei Multifunktionsschiffe.

Alle sechs HCI-Schiffe waren sogenannte Produkten- und Chemikalientanker. Sie können Ölprodukte wie Benzin oder Kerosin, aber auch Chemikalien wie Säuren transportieren. Für dieses Segment sind die Aussichten nach Ansicht der Analysten der DVB Bank zwar etwas besser als für Rohöltanker. Aber auch hier gibt es Überkapazitäten, die auf die Einnahmen drücken.

DFR-Geschäftsführer Nils Lorentzen warnt aber davor, die aktuellen Probleme nur auf die Tankschifffahrt zu begrenzen. „Die Einnahmesituation ist so schlecht, dass die Fonds reihenweise in die Sanierung laufen“, sagte er: „Das Thema wird uns noch das nächste halbe Jahr beschäftigen, und zwar über alle Schiffstypen hinweg.“ Er erwartet noch eine ganze Reihe weiterer Insolvenzen. Dass die Krise für Containerschiffe nicht vorbei ist, zeigt auch die Ende Januar erfolgte Pleite eines Schiffsfonds des Anbieters Hanse Capital, der vier kleinere Containerfrachter besaß.

Die Pleiten der HCI-Schiffe haben auch Auswirkungen auf einen weiteren Fonds des Emissionshauses. Der HCI Shipping Select 26 Vorzugskapital sollte eigens frisches Geld für eine Kapitalerhöhung bei einem der jetzt betroffenen Fonds einsammeln. Die Rettungsaktion scheiterte, da sich eine der beteiligten Banken nicht auf das Konzept einließ, so HCI. Der Fonds werde jetzt abgewickelt, die Anleger bekommen ihr Geld zurück.

Banken sind deutlich zögerlicher geworden, bevor sie Sanierungskonzepten für angeschlagene Fonds zustimmen. Auch bei dem zweiten Fonds scheiterten die Bankgespräche.

Wie viel ihres Investments die Anleger verlieren, hängt auch davon ab, ob die Gläubiger einer Planinsolvenz zustimmen. In diesem Fall möchte HCI die Schiffe in einer Auffanggesellschaft betreiben – bis sich die Marktsituation so weit verbessert hat, dass sie zu deutlich höheren Preisen verkauft werden können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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