Verkäufe von Töchtern helfen Axa

Milliardenbelastung durch hohe Abschreibungen

 

Anne-Christin Gröger , Köln

 

Hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und die Neubewertung des US-amerikanischen Lebensversicherungsgeschäfts haben dem französischen Versicherer Axa die Jahresbilanz verhagelt. Die Belastung aus Griechenland-Anleihen im Jahr 2011 lag bei 387 Mio. Euro. Jetzt hat der Versicherer kaum noch Risiken aus einem möglichen Zahlungsausfall des Landes in seinen Büchern.

 

Die Minderung des Firmenwerts in den USA hängt mit dem anhaltend niedrigen Zinsniveau am amerikanischen Kapitalmarkt zusammen und schlug mit 943 Mio. Euro zu Buche. Durch die niedrigen Zinsen haben Lebensversicherer zunehmend Probleme, die Renditen zu verdienen, die sie Kunden versprochen haben.

 

Dass die Axa dennoch im Gesamtjahr mit 4,3 Mrd. Euro 49 Prozent mehr Gewinn gemacht hat als im vergangenen Jahr, geht vor allem auf Sondererlöse zurück. Ihre Beteiligung am chinesischen Lebensversicherer Taikang Life hat Axa ebenso verkauft wie das Geschäft in Kanada, Australien und Neuseeland. Dieser Effekt bescherte dem Versicherer Gewinne von 2,3 Mrd. Euro. Die weltweiten Prämieneinnahmen gingen leicht um zwei Prozent auf 86,1 Mrd. Euro zurück.

 

Konzernchef Henri de Castries kündigte an, die im vergangenen Jahr begonnene Kostensenkungsstrategie in den etablierten Märkten weiter voranzutreiben. Innerhalb von fünf Jahren will die Gesellschaft jährlich 1,5 Mrd. Euro einsparen. 2011 waren es bereits 300 Mio. Euro. „Trotz des schwierigen Umfelds sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt de Castries. „Wir müssen nur auf Kurs bleiben.“

 

Die deutschen Gesellschaften trugen in der Lebensversicherung nur noch 152 Mio. Euro zum Ergebnis bei, ein deutlicher Einbruch im Vergleich zu den 214 Mio. Euro 2010. In der Sachsparte verdienten sie 186 Mio. Euro, 4 Mio. Euro weniger als 2010.

 

Axa Deutschland hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Zuerst hatte Chef Frank Keuper angekündigt, im Rahmen des Sparprogramms der Mutter bis zum Jahr 2015 1500 Vollzeitstellen von insgesamt 9000 abzubauen. Dann warf er selbst das Handtuch und kündigte an, seinen 2012 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. In der Branche hieß es, er sei frustriert wegen des Führungsstils der Franzosen. Nachfolger ist Thomas Buberl, der vom Versicherer Zurich kommt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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