Krise in Japan bedroht Schiffsfonds

Reederei Sanko steckt in Schwierigkeiten und hat bereits Zahlungen an Fondsgekürzt

Patrick Hagen

Die Schieflage der japanischen Großreederei Sanko Steamship gefährdet auch deutsche Schiffsfonds. Mehrere Fonds haben Frachter an die Reederei verchartert, die in Probleme geraten ist und die Mieten für die Schiffe nicht mehr voll zahlen kann. Eine Insolvenz des Unternehmens würde für die Fonds große Probleme bedeuten.

Am stärksten betroffen sind Fonds aus dem Hause HCI Capital. Insgesamt 14 Schiffe aus geschlossenen Fonds des Anbieters fahren für Sanko, bestätigte Unternehmenssprecher Olaf Streuer. Es handelt sich um zehn Tanker und vier Versorgungsschiffe für Ölplattformen. Neun der Schiffe gehören HCI-Dachfonds, fünf weitere Einzelfonds. „Sanko geht es darum, die Charterraten für einen gewissen Zeitraum zu reduzieren“, sagt HCI-Sprecher Streuer. Auch Fonds der Anbieter König & Cie., Salamon und Dr. Peters besitzen Schiffe, die bei der Reederei beschäftigt sind.

Sanko betreibt vor allem Tanker und Massengutfrachter, sogenannte Bulker, die Erze, Kohle oder Getreide transportieren. Das Unternehmen leidet unter geringen Einnahmen und stark angestiegenen Kosten für Treibstoff. Im März hat Sanko die Zahlungen an Schiffseigner bereits erheblich gekürzt. Jetzt will die Reederei die Stundung von Zahlungsverpflichtungen erreichen. Das teilte sie ihren Geschäftspartnern auf einem Treffen in London am vergangenen Freitag mit. Sanko hat rund 200 Schiffe angemietet, oft zu Raten, die deutlich über dem derzeitigen Marktniveau liegen.

Der Reeder strebt eine außergerichtliche Einigung nach japanischem Recht an. Dafür müssen alle Parteien zustimmen. „Wir haben das Gefühl, dass Sanko sehr ernsthaft an einer Lösung arbeitet“, sagt Tobias König, geschäftsführender Gesellschafter von König & Cie. Die Erfolgsaussichten seien schwer zu beurteilen. Bei König & Cie. ist der Fonds King Robert betroffen. Der Vertrag mit Sanko für das Schiff läuft noch 18 Monate. Der Fonds verfügt über ein Liquiditätspolster, so König. „Ob dieses ausreichend ist, hängt davon ab, wie es mit Sanko weitergeht und wie lange diese Krise noch anhält“, sagt er.

Der Fall erinnert an die Insolvenz der koreanischen Reederei Korea Line, die im vergangenen Jahr Gläubigerschutz anmeldete. Das brachte unter anderem den Nordcapital-Fonds Bulkerflotte 1 in schwere Probleme. Der Fonds hatte sieben seiner neun Schiffe an Korea Line verchartert.

E. R. Schiffahrt, das wie Nordcapital zur Gruppe des Reeders Erck Rickmers gehört, ist auch von der Sanko-Krise betroffen. Die Reederei hat vier Massengutfrachter an Sanko verchartert. Für Privatanleger hätte das keine Konsequenzen, so eine Sprecherin.

Im Fall von Korea Line hatte Nordcapital die Schiffe abgezogen und bei anderen Adressen untergebracht. Das ist jetzt nicht so einfach, sagt König. Es gebe zwar Rückstände bei den Zahlungen, aber auch die Ansage, dass diese bezahlt werden sollen. „Es ist schwer, daraus einen Vertragsbruch zu konstruieren und das Schiff abzuziehen, zumal dieses an einen anderen Charterer weiterverchartert wurde.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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