Aufseher suchen Kriterien für gefährliche Versicherer

Liste systemrelevanter Konzerne soll in einem Jahr vorliegen

Herbert Fromme , Köln,

und Ilse Schlingensiepen, Suduiraut

Die internationalen Versicherungsaufseher haben erste Kriterien für die Definition von systemisch bedeutenden Versicherern vorgeschlagen. Eine Liste solcher Versicherer – so es sie gibt – will die International Association of Insurance Supervisors (IAIS) im ersten Halbjahr 2013 vorlegen.

Diese Unternehmen müssten dann mehr Kapital zurücklegen. Ob überhaupt Versicherungskonzerne, selbst Branchengrößen wie Axa, Allianz und Munich Re, neben den 29 systemrelevanten Banken in diese Kategorie eingeordnet werden, ist noch offen. Auf das am Donnerstag veröffentlichte Konsultationspapier der IAIS können Unternehmen und Organisationen bis Ende Juli Stellung nehmen.

In der Assekuranz stößt der Vorstoß auf wenig Gegenliebe. Wegen des stetigen Liquiditätsflusses bestehe das Risiko des sofortigen Zusammenbruchs bei Versicherern nicht, sagte Axa-Chef Henri de Castries. „Versicherer sterben an Leukämie, aber nicht am Herzinfarkt.“ Anders als Banken seien die Anbieter nicht miteinander verwoben. „Wenn eine Firma zusammenbricht, ist es schlecht für die Leute, die bei ihr versichert sind, aber nicht für die anderen Versicherer.“ Wenn ein Anbieter verschwindet, können sich die Kunden auch bei jemand anderem versichern.

Die IAIS schreibt, es gebe keinen Beleg dafür, dass Versicherer mit ihrem traditionellen Geschäftsmodell ein systemisches Risiko seien. Aber: „Das Potenzial für systemische Risiken könnte dort relevant werden, wo Versicherer von ihrem traditionellen Geschäftsmodell abweichen.“ Damit sind primär bankähnliche Angebote gemeint, bei denen der Risikotransfer nur einen Teil des Geschäfts ausmacht und die Vorfinanzierung von Unternehmenswachstum oder die Streckung von Schadenbelastungen im Mittelpunkt stehen.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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