Oben ohne nur unter Aufsicht

Parken Cabriofahrer mit offenem Verdeck, riskieren sie denVersicherungsschutz

Jonas Tauber

Sommerzeit, Cabriozeit. Für Liebhaber der Oben-ohne-Mobile ist es die schönste Zeit des Jahres. Offenes Verdeck wird zur Lebensmaxime. Autoversicherer sehen parkende Cabrios mit geöffnetem Dach indes gar nicht gern. „Generell ist unser Rat, das Dach immer zu schließen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Reißen sich Diebe den Wagen unter den Nagel, kann die Kaskoversicherung die vereinbarten Leistungen kürzen.

Versicherer interessieren sich im Einzelfall dafür, wo der Wagen abgestellt wurde und ob der Besitzer ihn beaufsichtigt hat. „Wenn der Fahrer sich ins Eiscafé auf der Münchner Leopoldstraße setzt und den Wagen dabei im Blick hat, wäre der Wagen wohl voll versichert“, sagt ein Sprecher der Allianz. Mit hohen Leistungskürzungen müsste dagegen rechnen, wer den Wagen offen für ein Wochenende unbeaufsichtigt auf einem einsam gelegenen Parkplatz stehen lässt.

Für Cabriofahrer lohnt sich der Vergleich des Teilkaskoschutzes mit der umfangreicheren Vollkaskoversicherung. Denn die Versicherer berechnen in der Teilkasko keinen Preisrabatt für schadenfreie Jahre, in der Vollkasko aber schon. Dazu kommt, dass die Teilkasko für Cabrios wegen erhöhter Diebstahlgefahr besonders teuer ist. „Für Fahrer, die lange unfallfrei fahren, kann die Vollkasko gleich teuer oder sogar günstiger sein als die Teilkasko“, sagt Katrin Rüter vom Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV). Vom Rabatt können auch Cabriopiloten mit Saisonkennzeichen profitieren: Wenn sie mindestens sechs Monate Schutz gekauft haben und unfallfrei bleiben, werden sie bessergestellt.

Die Teilkasko greift bei Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Brand oder Schäden durch Hagel oder Überschwemmung. Für das aufgeschlitzte Verdeck kommt sie nur auf, wenn dahinter erkennbar die Absicht stand, einen Diebstahl zu begehen. Wollen sich Cabriobesitzer gegen Vandalismus oder Fahrerflucht absichern, brauchen sie eine Vollkaskoversicherung.

Diebstähle aus dem Innenraum des Wagens decken Teil- und Vollkasko, wenn es sich um Teile der Ausstattung handelt, wie den Fahrersitz aus Wildleder. Die Kosten für das geklaute Navigationsgerät übernimmt die Police, wenn die elektronische Orientierungshilfe fest eingebaut war.

In anderen Fällen hilft möglicherweise die Hausratversicherung. Die kommt bei manchem Anbieter bereits im Basistarif dafür auf, wenn Wertsachen bis zu 500 Euro aus dem verschlossenen Kofferraum oder Handschuhfach geklaut werden – auch bei offenem Verdeck. Schutz für elektronische Geräte wie Notebooks oder Handys muss oft extra eingekauft werden. Hausratgegenstände, die aus dem Innenraum gestohlen werden, bezahlen die Versicherer nur dann, wenn sie von außen nicht zu sehen waren – und solange das Verdeck geschlossen war.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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