Paradies und Schlupfloch

Fast magisch zieht Bermuda Investoren aus aller Welt an – dieStandortbedingungen sind schließlich so traumhaft wie das Wetter in dembritischen Überseegebiet

Herbert Fromme , Köln

Es ist kein Zufall, dass die eidgenössische Großbank Credit Suisse ihre Tochter für das Geschäft mit Versicherungsmänteln in Bermuda gegründet hat. Die Inselgruppe, in nur einer Flugstunde von der Ostküste der USA aus erreichbar, drängt sich für derartige Angebote gerade zu auf: So erlaubt die dortige Finanzaufsicht, Lebensversicherungspolicen mit allen möglichen Formen von Kapitalanlagen zu kombinieren – das ist bei Weitem nicht überall so. Zum Beispiel die Schweiz als Heimat der Credit Suisse geht da deutlich restriktiver vor.

Außerdem müssen in Bermuda ansässige Unternehmen traumhaft wenig Steuern zahlen. Gewinne werden gar nicht besteuert, Firmen müssen lediglich bis zu 14 Prozent auf alle Gehälter leisten. Davon entfallen auf die Beschäftigten bis zu 5,25 Prozent. Einnahmen fließen der Inselregierung außerdem durch die hohen Importzölle sowie indirekte Steuern zu.

Lebensversicherer wie Credit Suisse Life (Bermuda) spielen insgesamt nur eine untergeordnete Rolle im Versicherungsmarkt der Insel. Vor allem sind in der Hauptstadt Hamilton Rück- sowie Industrieversicherer angesiedelt. Diese Bermuda-Versicherer, fast alle in New York börsennotiert, verdienten 2010 rund 62 Mrd. Dollar an Prämieneinnahmen.

Bermuda mit seinen knapp 70 000 Einwohnern untersteht als britisches Überseegebiet noch immer der Krone, hat aber eine frei gewählte Regierung. Die Versicherungsaufsicht gilt als eine der schärfsten in den Offshore-Gebieten. Zurzeit verhandelt das Land mit der EU über die Anerkennung als Standort, dessen Regeln mit denen von Solvency II übereinstimmen – jenen Aufsichts- und Kapitalregeln, die für Europas Versicherer ab 2013 gelten. Nur dann können die Bermuda-Rückversicherer weiter in Europa ungestört Geschäfte machen.

Dass die Inselgruppe im Atlantik überhaupt als Assekuranzparadies gilt, geht auf US-Investoren zurück, die einst dort Spezialversicherer gründeten – wie 1986 den Anbieter XL, nachdem die Versicherer in den USA Haftpflichtdeckungen drastisch verteuert hatten. In den vergangenen Jahren gründeten institutionelle Anleger stets nach Naturkatastrophen wie Hurrikan „Katrina“ 2005 neue Versicherer, um von den nachfolgenden Preiserhöhungen zu profitieren.

Wegen seiner laxen Steuerpolitik ist Bermuda international durchaus umstritten. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren verschiedene US-Regierungen versucht, das Schlupfloch zu schließen. Eine ganze Reihe von Gesellschaften hat deshalb ihren rechtlichen Hauptsitz in die Schweiz oder nach London verlegt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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