Direct Line findet neue Absatzkanäle

Autoversicherer will mit Gang an die Börse expandieren

Herbert Fromme

Herbert Fromme , Köln

Der Autodirektversicherer Direct Line hat mit Ford einen der größten Autohersteller in Deutschland als Vertriebspartner gewonnen und will den geplanten Börsengang der britischen Mutter für eine weitere Expansion nutzen. „Für einige Monate wollen wir ausprobieren, ob der Verkauf von Direct-Line-Policen als Zweitmarke für Ford funktioniert“, sagte Deutschland-Chef Uwe Schumacher der FTD. Ford hat eine enge Zusammenarbeit mit der Nürnberger Versicherung, die auch bestehen bleiben soll.

Der Versicherer gehört zur britischen Direct Line und damit zur staatlich kontrollierten Royal Bank of Scotland (RBS). In Deutschland sieht sich das Unternehmen als einer der größten Autodirektversicherer. Ein großer Teil des Geschäfts stammt aber von Autohändlern. Direct Line kooperiert seit Jahren mit Renault, Nissan, Dacia, Hyundai und Subaru. Knapp 20 Prozent des Neugeschäfts kommen über diesen Kanal. Ford wäre eine wichtige Ergänzung. Die Autobauer profitieren, weil sie Provisionen erhalten und Unfallfahrzeuge in die Vertragswerkstätten gelenkt werden.

Direct Line kann positive Nachrichten gut brauchen. RBS muss die Versicherungstöchter verkaufen oder an die Börse bringen. Das war eine Auflage der EU, als sie die britische Staatshilfe für die angeschlagene Bank genehmigte. RBS hat Zeit bis Ende 2013, will die Versicherer aber schon 2012 abnabeln.

Vor allem der britische Marktführer Direct Line mit rund 25 Millionen Policen ist attraktiv. Aber auch die deutsche Konzerngesellschaft ist zurzeit ein Aktivposten. Das Unternehmen versicherte am Jahresende 2011 439 000 Kraftfahrzeuge, 25 000 mehr als ein Jahr davor. Bei Prämieneinnahmen von 162 Mio. Euro blieb ein kleiner Gewinn von 2,2 Mio. Euro übrig, mehr als die 0,7 Mio. Euro des Vorjahres. „Das gelang uns, obwohl die Kapitalanlagen 2011 spürbar weniger abwarfen als im Vorjahr“, sagte Finanzchef Christian Sooth. Das Kapitalanlageergebnis fiel wegen Abschreibungen von 13 auf 7 Mio. Euro.

Schumacher erwartet, dass der Börsengang Direct Line mehr Freiheiten für die Expansion geben wird. Zukäufe in Deutschland will er nicht ausschließen, der Markt sei zu zersplittert und dränge auf Konsolidierung. 2008 hatte Direct Line den Bestand des Versicherers Ontos übernommen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit