R+V baut Marktanteile aus

Versicherer der Genossenschaftsbanken muss 2008 aber Gewinneinbruchverkraften

Von Herbert Fromme, Wiesbaden

Der Wiesbadener Versicherer R+V baut seinen Marktanteil weiter aus. In den ersten drei Monaten steigerte der Konzern, der zu den Raiffeisen- und Volksbanken gehört, die Beitragseinnahmen ohne die eigene Rückversicherung um 9,9 Prozent. Die gesamte Branche erwarte für das laufende Jahr einen Rückgang von 1,0 Prozent, erklärte Konzernchef Friedrich Caspers vor Journalisten.

„Wir hatten auch 2008 in allen Sparten Wachstum über der Branche“, sagte Caspers. Im Neugeschäft der Lebensversicherung stieg der Marktanteil von 2000 bis 2008 von 4,5 Prozent auf 10,3 Prozent, bei den gebuchten Beiträgen in der Lebensversicherung von 4,6 Prozent auf 6,3 Prozent.

Insgesamt nahmen die Beitragseinnahmen 2008 um 3,8 Prozent auf 9,9 Mrd. Euro zu, wenn nach deutscher HGB-Bilanzierung gemessen wird. Nach internationaler Rechnungslegung lag der Zuwachs bei 4,5 Prozent auf 9,5 Mrd. Euro – weniger als nach HGB deshalb, weil die Zahlungen für fondsgebundene Policen hier nur zum Teil als Versicherungsbeiträge gelten. Rund 90 Prozent des Neugeschäfts in der Lebensversicherung stammen von den Genossenschaftsbanken, die sich auch in der Krise als stabiler Vertriebsweg erweisen. Die R+V fördert die Kooperation durch die enge Integration ihrer Angebote in die IT-Systeme der Banken sowie durch hohe Provisionen. Denn allein ist sie auch in diesem Feld nicht: Viele süddeutsche Genossenschaftsbanken vertreiben Policen der Allianz oder der Karlsruher, die zur W&W gehört.

Die Finanzkrise hinterließ aber auch bei der R+V tiefe Spuren. Rund 2,3 Mrd. Euro machten Abschreibungen, Verluste aus dem Verkauf von Anlagen und andere Belastungen aus. Zum großen Teil treffen sie die Lebensversicherungskunden, die solche Einschläge langfristig bei ihren Erträgen spüren. „Das muss man im Verhältnis zu 50 Mrd. Euro Kapitalanlagen sehen“, sagte Finanzchef Rainer Neumann. Die R+V war höher als andere Versicherer in Aktien engagiert, Anfang 2008 waren das noch 16 Prozent der Kapitalanlagen, Ende des Jahres acht Prozent. Der Gewinn vor Steuern ging von 476 Mio. Euro auf 226 Mio. Euro zurück, nach Steuern von 461 Mio. Euro auf 117 Mio. Euro.

In der Kernsparte Autoversicherung konnte die Gesellschaft 2008 die Zahl der versicherten Fahrzeuge um 60 000 auf drei Millionen steigern, in der Wechselsaison 2008/2009 legte sie um 65 000 zu.

Caspers lobte die Entschlossenheit der Bundesregierung, die Hypo Real Estate zu retten. Eine Pleite hätte dem Finanzstandort Deutschland ähnlich geschadet wie der Lehman-Zusammenbruch den USA. Für die geplante Verstaatlichung der Bank müsse man als „Ultima Ratio“ Verständnis haben. „Das wird ja nicht betrieben, um Herrn Flowers arm zu machen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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