Allianz will Wechselwelle stoppen

Neue Verträge für die Autoversicherung sollen Jahresendkampagne ausbremsen

Von Herbert Fromme, Köln

D eutschlands größter Autoversicherer Allianz hat eine weitreichende Änderung bei den Kfz-Policen eingeführt, um die bisherige Wechselwelle von Autobesitzern am Jahresende zu entschärfen. „Wir zwingen den Kunden nicht mehr dazu, als Hauptfälligkeit den 1. Januar zu wählen“, sagte Karl-Walter Gutberlet, im Vorstand der Allianz Versicherung für das Privatkundengeschäft zuständig, im FTD-Interview. Künftig will die Allianz die Hauptfälligkeit auf das ganze Jahr verteilen. Das sei technisch aufwendiger, aber machbar.

In der Regel kann ein Kunde eine Autoversicherung nur zur Hauptfälligkeit mit einer Frist von einem Monat kündigen. Für die große Mehrheit der mehr als 55 Millionen versicherten Fahrzeuge gilt deshalb, dass ihre Besitzer bis Ende November kündigen und zum Jahresende zu einem günstigeren Anbieter gehen können.

„Jedes Jahr wechseln dann rund 3,8 Millionen Kunden. Dabei gewinnen wir ja kein einziges Risiko hinzu, wir verteilen nur den Bestand um“, sagte Gutberlet.

Der Branchenprimus Allianz verliert seit Jahren Marktanteile. Genaue Zahlen will Gutberlet erst zum Jahresende nennen, aber die Allianz liegt inzwischen deutlich unter neun Millionen Fahrzeugen. Verfolger HUK-Coburg wächst und hat inzwischen 8,2 Millionen Fahrzeuge versichert. „Im unterjährigen Geschäft sind wir stabil, also wenn Kunden ein neues oder gebrauchtes Auto kaufen“, so Gutberlet. „Der Abrieb kommt dann im Achtwochenkampf am Jahresende.“ Dann sei die Kundschaft preisbewusster. Eine besondere Rolle spielen Online-Direktanbieter wie die HUK 24, die Marktanteile gewinnen. Die Allianz kam mit ihrer Allianz 24 spät auf den Markt, hat aber inzwischen rund 300 000 Fahrzeuge versichert, so Gutberlet.

Die Allianz versucht, auf der Schadenseite durch eine enge Kooperation mit noch mehr Werkstätten die Ausgaben im Griff zu behalten. Nach Opel, Ford und den Verbänden von Karosseriebauern und Lackierbetrieben haben jetzt auch Daimler und BMW Rahmenvereinbarungen mit der Allianz abgeschlossen. Die Werkstätten reparieren Schäden dann unter dem „Fairplay“-System des Versicherers zu reparieren. Der Betrieb schickt Fotos und Kostenvoranschlag per Internet und bekommt postwendend die Reparaturfreigabe vom Versicherer.

Anders als Rivale HUK-Coburg, der mit seinen Vertragswerkstätten feste Stundensätze vereinbart, will Gutberlet vor allem durch schnellere Abwicklung mit wenig Einsatz von Anwälten und Sachverständigen sparen. „Wir haben jetzt rund 2000 Werkstätten und wollen zum Jahresende 3000 haben“, sagte er. Langfristig brauche die Allianz 10 000 der 40 000 Werkstätten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit