Bonusgrenzen auch für Assekuranz geplant

Verbund der Versicherungsaufseher der EU erwägt gleiche Prinzipien fürVersicherungsvorstände wie für Bankmanager

von herbert fromme, münchen

Führungskräfte von Versicherern sollen künftig vergleichbaren Prinzipien für Bonuszahlungen unterliegen wie Bankvorstände. Dafür tritt Ceiops, der EU-weite Verbund der Versicherungsaufseher, ein. Dies bestätigte Thomas Steffen, Chef der Versicherungsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Steffen ist auch Vorsitzender der Ceiops. „Es hat in der Assekuranz keine Bonusexzesse gegeben“, sagte Steffen am Rande eines Branchentreffens. „Aber es hat Sinn, ähnliche Lösungen für alle Bereiche der Finanzwirtschaft zu entwickeln.“

Auf ihrem G20-Treffen Anfang August hatten sich die Regierungschefs der größten Volkswirtschaften für Einschränkungen bei Bankerboni ausgesprochen. Zwar wird es nach derzeitigem Stand keine absoluten Höchstgrenzen der Bonuszahlungen geben. Sie sollen aber unter anderem zeitlich gestreckt werden. So können Unternehmen bereits gezahlte Prämien notfalls auch von ihren Topangestellen zurückfordern, wenn die Geschäfte schlecht laufen

Steffen sagte, Ceiops diskutiere zurzeit seine Vorschläge für die Umsetzung des neuen Aufsichtssystems Solvency II mit der Versicherungsbranche. Ceiops werde Ende Oktober auf einer Vollversammlung darüber beschließen. Diese Beschlüsse gehen dann als Vorschläge für die Umsetzung an die EU-Kommission. Solvency II soll 2012 in Kraft treten. Damit will die EU die Aufsicht über die Versicherer und ihre Eigenkapitalausstattung vereinheitlichen. Die ersten Papiere der Ceiops zur Umsetzung waren von Versicherern scharf kritisiert worden. Der britische Branchenverband befürchtet Mehrbedarf von 50 Mrd. £ an Kapital für die Branche.

Auch die deutschen Versicherer haben von der Bundesregierung ein Eingreifen verlangt. Sie wollen einen ihrer Ansicht nach ungerechtfertigt hohen Kapitalbedarf für die Versicherer abwenden.

Steffen glaubt indes nicht, dass die Befürchtungen so eintreffen werden. Bei den Umsetzungsbeschlüssen müsse jetzt darauf geachtet werden, dass sie innerhalb der Rahmenrichtlinie Solvency II bleiben. Sie sollten nicht schon weiter gehende Pläne der EU für den Finanzsektor aufnehmen. Gleichwohl müssten Aufseher auch Lehren aus der schweren Finanzkrise ziehen dürfen sowie für eine Mindestkonsistenz zwischen den verschiedenen Sektoren der Finanzbranche eintreten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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