Finanzvertrieb MEG meldet Insolvenz an

Spezialvermittler für private Krankenversicherung in Not

Von Herbert Fromme, Köln

Der Kasseler Vertrieb MEG AG hat gestern Insolvenz angemeldet. Mehmet E. Göker, früher Vertriebsspezialist bei der Kölner Ergo-Tochter DKV, hatte MEG 2003 gegründet. Die Firma galt mit mehr als 400 Vertretern und 150 Innendienstmitarbeitern als zweitgrößter Spezialvertrieb für private Krankenversicherer – größer ist nur Impuls in Augsburg.

MEG warb Kunden für Versicherer; wichtige Partner waren die Generali-Tochter Central, die Axa und die Hallesche. Auslöser für die Insolvenz war die Entscheidung der börsennotierten Vertriebsgesellschaft Aragon in Wiesbaden, den am 25. September vereinbarten Kauf der MEG nicht zu vollziehen. „Eine erfolgreiche Sanierung ist aufgrund zu hoher Altlasten nicht möglich“, teilte Aragon gestern nach der Prüfung der Bücher mit. An Aragon hält der Versicherer Axa rund ein Drittel.

MEG ist der erste Großvertrieb, der in der Krise die Segel streichen muss. Konkurrenten wie MLP und AWD haben zwar ebenfalls mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, sind aber finanziell stabil.

MEG-Vorstandschef Göker, 30, hatte Mitte September seine Position aufgegeben und war durch Finanzvorstand Michael Kopeinigg ersetzt worden.

In der Krise war das ohnehin schwierige Geschäftsmodell nicht mehr zu halten und führte zum Kollaps. MEG verkaufte zum Teil über angestellte Vertreter, also mit höheren festen Kosten als Rivalen. Gleichzeitig zielte der Vertrieb auf schwierige Kundengruppen wie Existenzgründer. Das MEG-Geschäft litt unter hohen Kündigungsquoten für die Verträge. Negativ wirkten auch gesetzliche Veränderungen wie die Einführung der dreijährigen Wartefrist, bevor gut verdienende Angestellte sich privat versichern dürfen.

Nach Gökers Angaben erzielte MEG 2008 60 Mio. Euro Umsatz, der Geschäftsbericht liegt noch nicht vor. 2007 hatte MEG den Umsatz auf 33 Mio. Euro verdreifacht.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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