Jubiläum in Schmidts Tivoli

Vor einem Jahr begann der Versicherer Bâloise die Schlammschlacht um dieZukunft des Deutschen Rings. Heute wird gefeiert

Herbert Fromme

I m Theater Schmidts Tivoli auf der Hamburger Reeperbahn ist eigentlich immer gute Stimmung – ob Emmi & Herr Willnowsky ihr Programm „Forever Alive, 100 Jahre gute Laune“ geben oder der Kracher „Die Werner Momsen ihm seine Show“ über die Bretter geht.

Heute Morgen um 9.30 Uhr trifft sich die Belegschaft des Versicherers Deutscher Ring im Musentempel. „Ein Jahr ist eine lange Zeit. Unter Umständen kann es zwölf Monate dauern“ – unter diesem Motto will Betriebsratschefin Helga Reichow referieren.

In der Tat begann der legendäre Streit um die Zukunft des Deutschen Rings genau vor einem Jahr, und liefert seither ein Beispiel dafür, wie Konzerne besser nicht mit Tochtergesellschaften und Mitarbeitern umgehen sollten.

Der Deutsche Ring ist aus historischen Gründen ein ganz besonderes Gebilde. Er besteht aus zwei Aktiengesellschaften, Deutscher Ring Lebensversicherung und Deutscher Ring Sachversicherung, die der Schweizer Gesellschaft Bâloise gehören. Die beiden arbeiten seit 80 Jahren eng mit der Deutscher Ring Krankenversicherung zusammen – die ist keine AG, sondern ein Versicherungsverein, gehört also den Kunden. Trotzdem gab es gemeinsame Vorstände, Vertriebe und Verwaltung.

Zu Bâloise gehört auch Basler in Bad Homburg. 2008 fasste die Bâloise-Führung unter Verwaltungsratschef Rolf Schäuble den nachvollziehbaren Entschluss, die Kleinstaaterei zu beenden. Hamburg und Bad Homburg sollten zusammengelegt werden.

Dabei war Ring-Chef Wolfgang Fauter im Weg. Bâloise feuerte ihn und weitere Vorstände kurzerhand – rechnete aber nicht damit, dass die Mitgliedervertreter des Krankenversicherungsvereins Fauter und Kollegen bei sich im Vorstandsamt ließen.

Die Fehlkalkulation der Schweizer hatte Folgen. Denn seither arbeiten die Mitarbeiter für zwei verfeindete Arbeitgeber, die im selben Gebäude sitzen und sich mit Schriftsätzen bombardieren. Die Posse geht weiter: Die Deutsche Ring Kranken hat sich mit den Versicherungsvereinen der Signal-Iduna-Gruppe verbandelt und einen gemeinsamen Konzern geschaffen – teilt mit den Bâloise-Töchtern aber weiter Vertrieb und Verwaltung.

Inzwischen sind die Fronten verhärtet. Signal Iduna/Deutscher Ring Kranken haben Bâloise ein Angebot für die Hamburger Töchter unterbreitet. Die Schweizer lehnen empört ab. Sie wollen die beiden Teile des Rings jetzt organisatorisch trennen. „Dafür zahlen wir keinen Pfennig“, heißt es bei dem Krankenversicherer. Eine solche Realsatire wie die Vorstände kann Schmidts Tivoli nie bieten. Doch die Belegschaft kann nicht lachen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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