Reeder fordern Bad Bank

Staat soll Schiffsfinanzierung stützen · Containerreeder vor Neubauwelle

Von Patrick Hagen, Hamburg

Ein führender deutscher Reeder hat erstmals eine eigene Bad Bank für Schiffe gefordert, die nicht fremdfinanziert gekauft wurden. „Es müsste eine Auffanglösung geben, wo all die Schiffsgesellschaften, die weder Fremdfinanzierung noch Eigenkapital haben, in einer neuen Bankgesellschaft aufgefangen werden, und die mit einem staatlichen Schutzschirm versehen wird“, sagte Jochen Döhle, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Großreederei Peter Döhle auf einem Branchentreffen in Hamburg. Eine solche Lösung würde auch den Schiffsbanken wie der HSH Nordbank Luft verschaffen.

Döhles Forderung unterscheidet sich drastisch von den seit Juli verfolgten Plänen der Branche, eine Auffanggesellschaft für überflüssige Containerschiffe zu gründen. Dabei ging es bei dem Projekt Baltic Max Feeder darum, Tonnage über eine Poollösung aus dem Markt zu nehmen. Damit wollen die Reeder vermeiden, dass die Preise weiter sinken.

Döhle verlangt dagegen eine staatlich gestützte Bank, die für Not leidende Schiffsfinanzierungen einspringt. Die Reederei Döhle ist einer der global führenden Vermieter von Charterschiffen. Das Unternehmen organisiert keine Transporte, sondern verchartert Schiffe an die großen Linienreedereien wie Maersk Line, CMA CGM oder Hapag-Lloyd.

Döhle hat genauso wie die Reederei Claus-Peter Offen einen Antrag auf ein Darlehen aus dem Deutschlandfonds bei der KfW gestellt. Offens Antrag ist gescheitert, während Döhle nach Informationen aus Branchenkreisen bereits die ersten Hürden im Genehmigungsprozess genommen hat. Döhle ist auch einer der größten Kunden der HSH Nordbank.

Auf Döhle und ähnlich arbeitende Reedereien kommt eine riesige Neubauwelle zu, deren Finanzierung noch völlig ungeklärt ist. In den Boomjahren der Schifffahrt haben sie bei den Werften Containerschiffe für rund 40 Mrd. Euro bestellt, die in den nächsten Jahren zur Ablieferung kommen sollen. Sie werden aber zurzeit nicht gebraucht. Mehr als 600 Frachter liegen weltweit unbeschäftigt vor Anker.

„Ein Großteil der Schiffe, die bestellt worden sind, ist nicht finanziert“, sagte Klaus Stoltenberg, der bei der NordLB die Schiffsfinanzierung verantwortet. „Die Schiffsbanken werden nicht in der Lage sein, das gesamte Orderbuch durchzufinanzieren“, mahnt er dennoch.

Einen großen Teil der Finanzierung wollten die Reeder eigentlich mit Kleinanlegern über Schiffsfonds stemmen. Zurzeit findet sich allerdings fast niemand, der in Schiffsfonds investiert. Der Reeder Claus-Peter Offen schätzte die Höhe des Eigenkapitals, das bei Privatinvestoren eingeworben werden sollte und das nun fehlt, auf rund 10 Mrd. Euro.

Für Schiffe, die noch keine Finanzierung haben, soll nach dem Wunsch Döhles der Staat einen Schutzschirm aufspannen. Das sei die kostengünstigste und wirtschaftlich vernünftigste Variante, um die Finanzierung kurzfristig zu sichern, bis die Märkte sich wieder bereinigt haben, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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