Steuerreform beschert Allianz Rekordgewinn

Konzern legt vor allem bei Lebensversicherungen zu-Höhere technische Verluste in Sachsparte. Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz-Aktionäre haben guten Grund, auf die Regierung Schröder anzustoßen, allen voran Finanzminister Hans Eichel. Mit der Unternehmensteuerreform hat Berlin ihrem Unternehmen einen Rekordgewinn von 3,4 Mrd.Efür das Jahr 2000 beschert, 47 Prozent mehr als die 2,3 Mrd.Efür 1999. Die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 40 Prozent auf 25 Prozent wirkt sich mit rund 1 Mrd.Epositiv aus. Wenn steuerliche Sondereffekte für beide Jahre herausgerechnet werden, stieg der Gewinn von 2,1 Mrd.E1999 auf 2,3 Mrd.E2000. Die Aktionäre partizipieren mit einer von 1,25Eauf 1,50Eerhöhten Dividende.

Die Wohltaten aus Berlin gehen weiter: Für 2001 erwartet der größte deutsche Versicherungskonzern eine Steigerung des bereinigten Ergebnisses nach Steuern um rund 13 Prozent – auch dabei spielt die Steuerreform eine wichtige Rolle, neben der fortgesetzten Verbesserung der Lebensversicherung und geringeren Belastungen in der Schaden-und Unfallversicherung. Ab 2002 schließlich macht die Regierung Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmen steuerfrei. Hier gehört die Allianz ebenfalls zu den großen Gewinnern.

Selbst ohne steuerliche Sondereinflüsse muss sich Konzernchef Henning Schulte-Noelle mit dem Geschäftsverlauf 2000 nicht verstecken. Freuen kann er sich besonders darüber, dass der Konzern seine lange beklagte Wachstumsschwäche überwunden hat und auch aus eigener Kraft gut zulegte. Die Beitragseinnahmen stiegen um 13 Prozent von 60,6 Mrd.Eauf 68,5 Mrd.E. Davon stammen fünf Prozentpunkte aus der Übernahme von Gesellschaften (unter anderem in Kolumbien und Bulgarien) und aus Wechselkursänderungen.

Das selbst erwirtschaftete Wachstum lag bei acht Prozent. Damit scheint der Konzern der Lösung eines Kernproblems näher zu kommen: Aus dem zusammengekauften Sammelsurium unterschiedlichster Versicherer eine geschlossene, schlagkräftige und dabei auch wachstumsstarke Gruppe zu machen, die trotzdem den Bezug zu den örtlichen Märkten nicht verliert.

Leicht verschmerzen kann es die Münchner Unternehmensführung, dass sie beim Vorsteuerergebnis 2000 mit 4,7 Mrd.Eum rund 100 Mio.Eschlechter als 1999 dasteht. Sie wusste um den warmen Regen der Steuerreform und sah deshalb keine Notwendigkeit, etwa durch weitere Aktienverkäufe den Vorsteuer-Gewinn nach oben zu drücken. „Wir haben uns bei der Realisierung von Bewertungsreserven eher zurückgehalten, weil ja ab 2002 Verkäufe steuerfrei sind“, sagte ein Sprecher.

Vor allem in der Lebens-und Krankenversicherung ging es dem Allianz-Konzern gut. Die Beiträge stiegen um 21,1 Prozent auf 30,6 Mrd.E, das innere Wachstum machte 12,5 Prozent aus. Das Ergebnis stieg um spektakuläre 50 Prozent auf mehr als 600 Mio.E.

In Deutschland litt die Allianz zwar unter der erwarteten schwächeren Entwicklung in der Lebensversicherung nach dem Rekordjahr 1999, war aber in Frankreich und Italien umso erfolgreicher. Langfristig setzt das Unternehmen auf weiteres Wachstum im Lebens-und Krankenbereich, unter anderem wegen der Privatisierung der Altersvorsorge in zahlreichen Ländern. Kein Wunder, dass Vorstandsmitglied Helmut Perlet gestern auf www.allianz.com die Absicht wiederholte, in den USA eine Lebensversicherung zu kaufen.

Weniger gut verlief das Schaden-und Unfallgeschäft. Zwar konnte die Allianz die Beitragseinnahmen um 7,2 Prozent auf 37,9 Mrd.Esteigern, wobei das innere Wachstum 4,5 Prozent betrug. Aber Sturmschäden und Großverluste aus der Industrieversicherung einerseits sowie niedrige Preise in einer Reihe von Märkten – zum Beispiel der deutschen Autoversicherung – andererseits sorgten für einen erhöhten versicherungstechnischen Verlust. Die so genannte Schaden-Kostenquote verschlechterte sich von 104,5 auf 105,6 Prozent der Nettoprämien. Das heißt: Im Jahr 1999 gab die Allianz rund 1,4 Mrd.Emehr für Schäden und Kosten aus, als sie an Prämien einnahm – dieser Verlust dürfte sich im Jahr 2000 auf 1,7 Mrd.Eerhöht haben. Mit Gewinnen aus Aktienverkäufen und der niedrigeren Steuer wurde er ausgeglichen.

Im dritten Geschäftsfeld Vermögensverwaltung profitierte die Allianz von der Übernahme des US-Unternehmens Pimco. Ende 2000 verwaltete der Konzern 700 Mrd.E, ein Jahr zuvor erst 384 Mrd.E.

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Quelle: Financial Times Deutschland


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