Finanzen – Darchinger

Nachfolgersuche für Vorstandschef Zech dementiert. Von Herbert Fromme, Köln

Darchinger Versicherung: Der Gerling-Konzern hat seinen seit zwei Jahren angekündigten Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Entscheidung wird vor allem mit dem negativen Börsenumfeld begründet. Rolf Gerling hält 70 Prozent, die Deutsche Bank 30 Prozent. Die Bank wollte ihren Anteil im Zuge des Börsengangs verringern. Seite 20.

Gerling-Börsengang weit entfernt

Der Gerling-Konzern hat seinen seit zwei Jahren lautstark angekündigten Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. „Wir haben die Pläne erst einmal in die Schublade gelegt“, sagte ein Sprecher der Financial Times Deutschland. Die Entscheidung sei vor allem angesichts des negativen Börsenumfelds getroffen worden.

Mehrheitsaktionär der Versicherung ist Rolf Gerling mit 70 Prozent. Die Deutsche Bank hält 30 Prozent. Vor drei Jahren war Bankchef Rolf-E. Breuer mit dem Versuch gescheitert, von Rolf Gerling die Mehrheit zu übernehmen. Danach einigten sich die beiden Seiten auf den Börsengang, um der Deutschen Bank eine Reduzierung des ungeliebten Minderheitsanteil zu ermöglichen. Rolf Gerling wollte aber auf jeden Fall die Mehrheit behalten. Vorstandschef Jürgen Zech trieb das Projekt energisch voran, musste es aber schon mehrfach verschieben – unter anderem wegen der angespannten Lage in Teilbereichen wie der US-Industrieversicherung.

Das US-Abenteuer hat die Gruppe in den vergangenen Jahren rund 500 Mio. DM gekostet, die nach Konzernangaben bilanziell schon vollständig verarbeitet sind. Im deutschen Industrieversicherungsmarkt, der als besonders umkämpft gilt, hat sich Gerling sogar besser als die Konkurrenz geschlagen. Der Konzern wird für das Jahr 2000 wohl einen Gewinn von über 300 Mio. DM ausweisen, nach einem Einbruch um 85 Prozent auf 43 Mio. DM im Vorjahr.

Allerdings gibt es in der Branche erhebliche Zweifel, ob Gerling als Familienunternehmen mit rund 17 Mrd. DM Umsatz im weltweiten Wettbewerb mithalten und die Anforderungen der Industriekunden nach globaler Präsenz erfüllen kann. Bisher hat Rolf Gerling es kategorisch abgelehnt, die Gruppe zu verkaufen oder mit einem anderen Versicherer zu fusionieren. Zu den Interessenten gehörte der US-Konzern American International Group (AIG).

Mit dem Börsengang hätte sich der Gerling-Konzern deutlich besser positioniert und sich Währung für Übernahmen verschafft. Die Quasi-Aufgabe des Plans bedeutet Stagnation.

Marktgerüchte, nach denen Rolf Gerling mit der Leistung des gegenwärtigen Topmanagements unzufrieden ist und einen Nachfolger für Konzernchef Zech sucht, bestreitet das Unternehmen energisch. „Ich kann im Auftrag von Rolf Gerling sagen, dass Jürgen Zech sein volles Vertrauen hat“, sagte der Unternehmenssprecher. Zechs Vertrag läuft bis Ende 2002. Nach jetziger Planung ist es vorstellbar, dass ein Wechsel in der Führung 2004 vorgenommen wird, wenn der Konzern sein 100-jähriges Jubiläum feiert, sagte der Sprecher. Zech ist dann 65.

Quelle: Financial Times Deutschland


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