Parion sieht Alternativen zur NordLB

Großaktionär hält Kerne der Bankgesellschaft Berlin für gesund – Vorstandschef Peiner gegen Sanierungsbeitrag. Von Herbert Fromme, Köln

„Statt einer kleinen Großbank wird die Bankgesellschaft Berlin vielleicht eine große Regionalbank sein“

Der Vorstandsvorsitzende des Parion-Versicherungskonzerns, Wolfgang Peiner, macht die von Berlin dringend gewünschte Beteiligung an einer Kapitalerhöhung an der Bankgesellschaft Berlin abhängig von der Qualität des versprochenen Sanierungskonzeptes. Parion ist über sein Gruppenmitglied Gothaer mit 7,5 Prozent drittgrößter Anteilseigner des krisengeschüttelten Berliner Bankkonzerns. Peiner ist Mitglied im Aufsichtsrat. „Einen Sanierungsbeitrag können und werden wir aber nicht leisten“, stellt er im Gespräch mit der Financial Times Deutschland klar.

Er hoffe sehr, dass die politische Krise in der Hauptstadt die Handlungsfähigkeit der Bank und der verantwortlichen Politiker nicht zum Erliegen bringe, so Peiner weiter. Die SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wird am Donnerstag einen Misstrauensantrag gegen den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen stellen, der am Samstag wahrscheinlich mit Unterstützung der Grünen und der PDS angenommen wird. Unabhängig von seiner künftigen Zusammensetzung habe der Senat aber einen klaren Handlungsauftrag, betont Peiner. Entscheidungen über die Zukunft der Bank dürften nicht bis nach den Neuwahlen auf Eis gelegt werden.

Der Parion-Chef ist Mitglied der CDU und hat gute Verbindungen zu Diepgen. Zurzeit ist der Versicherungschef wirtschaftspolitischer Berater des Hamburger CDU-Bürgermeisterkandidaten Ole von Beust.

Peiner begrüßte die Pläne des Landes, die Mehrheit an der Bankgesellschaft abzugeben und die Führung des Instituts „in professionelle Hände“ zu übertragen. Die NordLB – mit rund 20 Prozent zweitgrößter Aktionär nach dem Land Berlin mit 56,6 Prozent – sei offensichtlich dazu bereit, eine solche führende Rolle zu spielen. Es sei aber nicht sicher, dass es zu einer NordLB-Lösung komme. Die Bankgesellschaft könnte durchaus für die eine oder andere Privatbank von Interesse sein. Ein privater Käufer müsse dann aber wohl die NordLB herauskaufen.

Mit Blick auf den Kapitalbedarf der Bankgesellschaft habe das Fass jetzt einen Boden gefunden, sagte er. Der von Sonderprüfern ermittelte zusätzliche Wertberichtigungsbedarf von 269 Mio. Euro sei immerhin niedriger als von vielen befürchtet.

Der in der Öffentlichkeit verbreitete Eindruck, dass die Bank nur ein Häufchen Asche sei, trüge. Geschäftsfelder wie die Berliner Sparkasse, die Weberbank, das private Vermögensanlagegeschäft, das Kapitalmarktgeschäft und die privaten Hypothekenaktivitäten seien strukturell gesund und profitabel. Letztere sollten weitergeführt werden.

„Die Bankgesellschaft muss sich auf die Geschäftsfelder konzentrieren, in denen sie gut ist, und ihr Kapital nutzbringend einsetzen“, so Peiner. „Statt einer kleinen Großbank wird sie dann vielleicht eine große Regionalbank sein.“ Neben Weberbank und Allbank sei das Großkundenkreditgeschäft verzichtbar. Auch das großgewerbliche Immobiliengeschäft und die Entwicklung von Immobilienprojekten seien keine Kernaufgaben. „Die erste Priorität muss das Retail-Geschäft in Berlin haben“, findet Peiner.

Unzufrieden ist der Parion-Chef nach wie vor mit der gegenwärtigen Führung der Bank. Das gilt auch für den Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rupf, den er bereits öffentlich heftig kritisiert hatte. Es sei normal, dass ein Neuanfang auch personelle Konsequenzen habe, so Peiner.

Die Probleme bei den Immobilien und im gewerblichen Kreditbereich hätten nicht nur strukturelle, sondern auch personelle Ursachen. „Die Vorstände der Banken und Teilbanken haben diese Schwächen verursacht oder nicht erkannt und für Risiken keine ausreichende Vorsorge getroffen“, moniert Peiner. Schuld treffe auch die Wirtschaftsprüfer.

Die notwendige Vorsorge für die Bilanz der Bankgesellschaft erfolge im Jahresabschluss 2000, der deshalb einen hohen Verlust ausweisen werde. Aber selbst nach diesem Verlust habe die Bank noch immer ein Kernkapital von 3 Mrd. Euro. Das nach den Anforderungen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen zusätzlich notwendige Kernkapital von 2 Mrd. Euro könne durch den Abbau von Risikoaktiva noch deutlich reduziert werden.

Das Kernkapital sei 50 Prozent höher als die aktuelle Börsenkapitalisierung von 2 Mrd. Euro. „Wenn das Restrukturierungskonzept des Vor-stands glaubhaft ist, wird es aucheinen Kursanstieg geben“, hofft Aktionär Peiner. Für die Parion-Gruppe erwartet er keinen Abschreibungsbedarf: Sie habe ihren Anteil von 7,5Prozent Ende der achtziger Jahre für umgerechnet rund 10 Euro pro Aktiegekauft. Am Freitag kostete die Aktie der Bankgesellschaft 9,75 Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


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