Allianz-Gewinn sinkt. Hauptschäden aus Luftfahrthaftpflicht, Gebäude und Betriebsunterbrechung

Ein Erdbeben in Tokio, ein Wirbelsturm über Houston oder ein Großfeuer in der Wall Street – das gehörte bei Diskussionen über Großrisiken der Versicherungsbranche zu den Horrorszenarien. Auf noch schrecklichere Weise, als es sich die Versicherungsmanager je hätten träumen lassen, hat sich eines dieser Risikomodelle bestätigt. Betroffen sind vor allem Unternehmen, die in den USA aktiv sind, sowie die großen Rückversicherer und der Lloyd’s-Markt.

Mehrere Unternehmen gaben gestern erste Schadensschätzungen ab. Alle müssen vage sein, weil die Versicherungsverhältnisse äußerst kompliziert sind. Auf die Branche kommen Forderungen aus den verschiedensten Versicherungssparten zu.Die Allianz Versicherungsgruppe rechnet nach ersten Schätzungen mit einer Schadenbelastung von bis zu 700 Mio. Euro. „Dadurch wird das prognostizierte Ergebnis erheblich belastet“, teilte der auch in den USA börsennotierte Münchner Versicherungskonzern gestern mit. Statt von einem Gewinnanstieg um 13 Prozent geht die Allianz Gruppe jetzt von einem Rückgang beim Jahresüberschuss von 2,4 Mrd. Euro in 2000 (ohne steuerliche Sondereffekte) auf „knapp über 2 Mrd. Euro “ aus.

O Luftfahrtkasko. Die vier zerstörten Flugzeuge kosten, so Schätzungen aus dem Versicherungsmarkt, zusammen rund 200 Mio. $. Die beiden betroffenen Airlines hatten ihre Maschinen ausdrücklich auch gegen Kriegsrisiken versichert, für die Assekuranz fallen Terroranschläge unter das Kriegsrisiko. O Luftfahrthaftpflicht.Die Maschinen hatten Haftpflichtdeckungen bis 1,5 Mrd. $ (United) beziehungsweise 2 Mrd. $ (American) pro Flugzeug. An den Konsortien sind Lloyd’s und der Spezialversicherer Global Aerospace Underwriting Managers in London beteiligt, Rückdeckungen geben unter anderem Royal & Sun Alliance, Zurich, Chubb, Tokio Marine und Münchener Rück. Die Policen schließen Risiken wie Terrorismus und Entführung ein.

Die Luftfahrthaftpflicht deckt zunächst Ansprüche der Hinterbliebenen von Passagieren. Dabei rechnet die Branche auf Grund von Erfahrungswerten mit einer Entschädigungssumme von bis zu 3 Mio. $ pro Passagier, für die rund 260 Opfer an Bord also bis zu 780 Mio. $.

Noch viel schwerwiegender ist, dass die Airlines und damit die Versicherer (bis zu den Obergrenzen von 1,5 Mrd. $ oder 2 Mrd. $ pro Flugzeug) auch für Sach-und Personenschäden bei Dritten haften. Bei den vielen Tausend Toten in New York allein und bei möglichen Ansprüchen der Gebäudebesitzer beziehungsweise deren Versicherer heißt das: Die Höchstsumme von insgesamt 3,5 Mrd. $, die von den Luftfahrtversicherern beim WTC gezahlt werden muss, wird auf jeden Fall erschöpft, heißt es. Alle darüber hinaus gehenden Ansprüche müssen die beiden Gesellschaften American Airlines und United selbst aufbringen. „Ich erwarte, dass dies die beiden Gesellschaften in Chapter 11 – also den Zwangsvergleich – bringen kann“, sagte ein Luftfahrtversicherer. O Gebäudeversicherung.Das Gebäude ist von seinem Besitzer, der Port Authority of New York und New Jersey, mit rund 4,5 Mrd. $ versichert. An der Police sind alle großen US-Anbieter, die wichtigen Rückversicherer und Lloyd’s beteiligt. O Workers‘ Compensation. Die private Arbeiterunfallversicherung muss für Gesundheitsschäden der Beschäftigten aufkommen.

www.ftd.de/versicherungen .

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import