Swiss Re profitiert von höheren Preisen

Rückversicherer Swiss Re glaubt an eine kräftige Erholung der Preise in der Versicherungswirtschaft in den nächsten Jahren. Im operativen Geschäft konnte das Management um Walter Kielholz das Ergebnis um 43 Prozent auf 1,31 Mrd. Franken steigern, die Nettoprämien um 19 Prozent auf 11,90 Mrd. Franken. Dennoch legte der Konzern einen um 55 Prozent niedrigeren Halbjahresgewinn von 1,35 Mrd. Franken nach 3,01 Mrd. Franken vor. Swiss-Re-Aktien schlossen am Freitag 3,9 Prozent niedriger.

Der Grund: In der ersten Hälfte des Vorjahres war die Swiss Re in großem Stil aus den Aktienmärkten ausgestiegen und mit ihren Kapitalanlagen in festverzinsliche Papiere gegangen. Finanzchef John Fitzpatrick erwischte beim Ausstieg einen äußerst günstigen Zeitpunkt – die Märkte standen im Zenit. Deshalb machte die Swiss Re allein mit dem Verkauf von Aktien in der ersten Hälfte 2000 einen Gewinn von 3,43 Mrd. Franken, zusätzlich zu den normalen Erträgen wie Zinsen und Dividenden von 2,22 Mrd. Franken.

Im Vergleichszeitraum 2001 beliefen sich die Verkaufsgewinne nur noch auf 884 Mio. Franken, die normalen Anlageerträge stiegen auf 3,05 Mrd. Franken.

Die Swiss Re hält jetzt nur noch 22 Prozent ihrer gesamten Anlagen mit einem Marktwert von 102 Mrd. Franken in Aktien, im Jahr 1999 waren es noch 34 Prozent gewesen. In festverzinslichen Papieren liegen 73 Prozent, statt 62 Prozent, in übrigen Anlagen wie Immobilien fünf statt vier Prozent. „Das wird sich auch kaum ändern“, sagte Kielholz. Das Unternehmen wachse vor allem im Bereich Lebens-Rückversicherung. Da lege man aus Risikogründen eher in festverzinslichen Papieren an.

Im Rückversicherungsgeschäft sieht sich Kielholz auf dem richtigen Weg. Die entscheidende Zahl ist die Schaden-und Kostenquote für das Nichtlebengeschäft, das Verhältnis für Schadensaufwand plus Kosten zu den Beitragseinnahmen. „Im ersten Halbjahr 2000 lagen wir bei 117 Prozent, jetzt bei 107 Prozent“, sagte Kielholz. Damit sei das langfristige Unternehmensziel erreicht. „Wir wollen in der jetzigen Aufschwungphase aber noch tiefer, denn die 107 Prozent Zielvorgabe beziehen sich auf den Durchschnitt mehrerer Jahre übereinen Zyklus in der Versicherungsbranche“, sagte Kielholz. Alle Zeichen stünden auf Preiserhöhungen und Marktverhärtung.

Die Übernahme der US-Lebensversicherung Lincoln Re will Finanzchef John Fitzpatrick mit einer Kapitalerhöhung von maximal zehn Prozent finanzieren. „Aber das hängt auch vom Preis ab. Wenn uns der Börsenkurs nicht gefällt, haben wir Alternativen zur Kapitalerhöhung.“

Weitere Übernahmen sieht Kielholz eher skeptisch. Lohnend seien nur Unternehmen, die der Swiss Re Zugang zu Kunden verschafften, den sie bisher nicht habe. Ein solcher Fall sei Lincoln Re gewesen. „Aber eigentlich gibt es sehr wenige ähnlich gelagerte Unternehmen in der Welt.“

Kapital

Seite 17.

Quelle: Financial Times Deutschland


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