Axa will Versicherung der Fußball-WM neu verhandeln

Sonderkündigung wegen erhöhten Risikos. Von Herbert Fromme, Köln

So wie vielen Konzernen erging es jetzt dem Weltfußballverband Fifa. Die Großunternehmen, zum Beispiel in der Luftfahrt oder der chemischen Industrie, haben seit dem 11.September Probleme, Versicherungsschutz zu finden. Sie müssen sich auf jeden Fall auf deutlich höhere Preise verbunden mit Risikoausschlüssen einlassen.

Auch die Fifa steht seit Donnerstag ohne Versicherungsschutz für das Ausfallrisiko der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan da. Die Kölner Axa hat den Vertrag wegen der Erhöhung des Risikos nach den Terroranschlägen in den USA und der Erklärung des heiligen Kriegs durch Islamisten mit einer Frist von vier Wochen gekündigt.

Das Unternehmen, das zur Pariser Axa-Gruppe gehört, führt ein Konsortium internationaler Versicherer, die sich weltweit rückversichert haben. Es handelt sich also nicht um eine Einzelaktion der Axa. Entsprechend schwierig wäre es für die Fifa, Ersatz zu finden. Nach Ansicht von Marktbeobachtern will Axa-Deutschlandchef Claus-Michael Dill den Vertrag auch nicht verlieren, sondern neu verhandeln und höhere Preise sowie Ausschlüsse – etwa des Terrorismus-Risikos – durchsetzen.

Die jetzt gekündigte Police deckte bei Absage oder Teilabsage der WM den Einnahmeausfall der Fifa bis zu 1,38 Mrd. Schweizer Franken. Sie kostete nach Fifa-Angaben 27,4Mio. Franken, von denen 16,4 Mio. Franken schon überwiesen wurden. Wie seit Jahrzehnten arbeitet der Verband dabei mit dem Kölner Spezialmakler Himmelseher Sportassekuranz zusammen.

Die Axa beruft sich bei der Kündigung auf Paragraph 27 des deutschen Versicherungs-Vertragsgesetzes, der dem Versicherer bei einer Erhöhung der versicherten Gefahr die Kündigung ermöglicht. Sie muss innerhalb eines Monats nach Kenntnis der Gefahrenerhöhung durch den Versicherer ausgesprochen werden, deshalb war Donnerstag, der 11. Oktober, der letztmögliche Termin.

Die Kündigung macht es für andere Beteiligte an der WM, zum Beispiel die Inhaber der Fernsehrechte, noch schwerer, Versicherungsschutz zu finden. Hier sind noch nicht alle Policen unter Dach und Fach, heißt es in Marktkreisen. Sorgen machen um ihre Versicherungen müssen sich auch die Organisatoren anderer Großveranstaltungen, etwa das Internationale Olympische Komitee.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import