Mit Riester kommt die Renaissance der Betriebsrente

FTD-Serie zum Umbau des Rentensystems (Teil 30 und Schluss): die vorfreude bei anbietern und verbrauchern ist verhalten Vier Monate lang hat sich die Financial Times Deutschland in dieser Serie mit den Auswirkungen der Riester-Rente für Bevölkerung, Arbeitgeber und vor allem die Finanzdienstleister beschäftigt. In der heutigen letzten Folge werden die wichtigsten Fragen beantwortet, die sich heute im Zusammenhang mit der Riester-Rente stellen.

Wird die staatlich geförderte private Altersvorsorge das große Geschäft für die Finanzdienstleister?

Knapp eine Million Riester-Verträge sind bereits verkauft worden. Unklar ist, wie viele davon Zusatzgeschäft zu der normalen Lebensversicherung sind, von der im Jahresschnitt ohnehin rund acht Millionen Verträge abgesetzt werden.

Verdienen die Anbieter damit Geld?

Langfristig schon. Aber die Finanzdienstleister müssen einen langen Atem haben. Kleineren Anbietern könnte die Puste ausgehen. Bei Standard-Lebensversicherungen rechnen die Unternehmen mit einem Vorlauf von fünf bis acht Jahren, bis die Police für die Versicherer profitabel wird. Bei Riester liegt die Frist bei mehr als zehn Jahren, der Allianz-Vertriebsvorstand Hansjörg Cremer rechnet gar mit 15 Jahren.

Gibt es Unternehmen, die nicht mitmachen?

Kaum eine Gesellschaft hat den Mut, Riester überhaupt nicht anzubieten. Denn die Unternehmen müssen um ihre Bestände fürchten. Wenn ein fremder Vertreter dem eigenen Kunden erst einmal einen Riester-Vertrag verkauft hat, ist der Kunde vielleicht ganz weg. Trotzdem gehen viele Versicherer das Geschäft gelassen an. HUK-Coburg etwa hat bisher weniger als 1000 Riester-Verträge verkauft.

Wieso tun sich Fonds und Banken mit Sparplänen bisher so schwer?

Die Riester-Rente ist so konstruiert, dass die Bedingungen wie Kapitalerhalt und Kostenausweis am leichtesten von Lebensversicherern erfüllt werden. Deshalb waren sie früh auf dem Markt. Erst jetzt folgen die Fonds. Aber: Als Zulieferer für fondsgebundene Lebensversicherungen machen die Fondsgesellschaften schon jetzt gute Geschäfte.

Was wird aus der betrieblichen Altersvorsorge?

Durch die Rentenreform wird die betriebliche Altersvorsorge eine Renaissance erleben, prophezeien Experten. Die Anbieter von soliden betrieblichen Systemen werden die Hauptgewinner der Riester-Reform sein: Die Arbeitnehmer sparen Sozialabgaben, außerdem beginnt die Höchstförderung bei der betrieblichen Altersvorsorge schon im kommenden Jahr, bei den privaten Verträgen erst 2008. Entscheidend für den Erfolg der betrieblichen Altersvorsorge ist, auf welche Modelle und Anbieter sich die Tarifparteien einigen.

Wie müssen die Betriebe reagieren?

Ab Januar 2002 müssen alle Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter eine betriebliche Altersvorsorge bereitstellen – das heißt aber nicht, dass sie dafür auch Zuschüsse leisten müssen. Wer keine Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds oder Unterstützungskasse anbietet, muss damit rechnen, mit zahllosen Einzellösungen der Mitarbeiter konfrontiert zu werden – ein riesiger Verwaltungsaufwand. Deshalb werden sich viele Firmen entschließen, ihren Mitarbeitern eine einheitliche Lösung zu präsentieren. Kleinere werden eher auf Direktversicherungen setzen, bei großen Betrieben geht der Trend zu Pensionsfonds. Eigene Pensionsfonds einzurichten lohnt sich nur für Unternehmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitern.

Ist die staatlich geförderte Altersvorsorge für Versicherungsvertreter ein gutes Geschäft?

Die Versicherungsvertreter sind von der Riester-Rente wenig begeistert. Sie glauben, dass die Provisionen in keinem Verhältnis zum Beratungsaufwand stehen. Das Ganze lohnt sich für die Vertreter nur, wenn sie mit dem Türöffner Altersvorsorge auch andere Produkte, etwa Berufsunfähigkeitsversicherungen, verkaufen.

Warum steigen die Finanzvertriebe nur gebremst in das Geschäft ein?

Vor allem wegen der Provisionshöhe. Sie müssen Anbieter finden, die bereit sind, die per se hohen Kosten der Vertriebe auch bei Riester vorzustrecken, um sich darüber einen Marktanteil zu erkaufen. Bisher ist die Bereitschaft der Anbieter gering.

Warum sind die Bausparkassen empört über die Riester-Rente?

Aus Riester-Policen dürfen Sparer 10 000 bis 50 000 Euro zur Finanzierung selbst genutzten Wohneigentums entnehmen. Aber sie müssen dafür mindestens 10 000 Euro angespart und das Geld vor Rentenbeginn in den Riester-Topf zurückgezahlt haben. Im Kampf um die Verteilung der Spargelder von Beziehern niedriger Einkommen drohen die Bausparkassen ins Hintertreffen zu geraten.

Wie wirkt sich Riester langfristig auf andere Vorsorgeprodukte aus?

Erstens werden weniger traditionelle Lebensversicherungen verkauft. Die Deutschen wollen in Zukunft nicht mehr Geld fürs Alter auf die hohe Kante legen als bisher. Zweitens werden sich die Proydukte ändern. Bei Riester erhält jeder Kunde jährlich einen Kontoauszug über Einzahlungen, Kosten, Gewinnanteile. Die Kunden werden diese Transparenz auch für andere Verträge fordern.

Quelle: Financial Times Deutschland


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