Vorstand von W&W tritt wegen New-York-Schaden zurück

Jürgen Hoffmann, Vorstandsmitglied der Württembergischen Versicherung in Stuttgart, wird das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Hoffmann übernahm die Verantwortung für einen „zweistelligen Millionenschaden“ aus dem Terrorüberfall auf das New Yorker World Trade Center, bestätigte die Gruppenholding Wüstenrot & Wüttembergische AG (W&W). Informationen der Financial Times Deutschland, nach denen der Schaden netto, also nach möglichen Erstattungen von Rückversicherern, mehr als 80 Mio. DM betragen kann, wollte das Unternehmen nicht kommentieren.

Schon am 17. September, wenige Tage nach dem Terrorüberfall, hatte die W&W-Gruppe eine Gewinnwarnung herausgegeben und dafür den Schaden aus New York, die schlechte Verfassung der Aktienmärkte und Bestandsbereinigungen bei der Württembergischen Versicherung verantwortlich gemacht. Für das Jahr 2000 hatte die Gruppe einen Gewinn von 43,2 Mio. Euro ausgewiesen und eine Dividende von 0,50 Euro gezahlt. Mehrheitsbesitzer ist die Wüstenrot Holding, der Free Float beträgt 6,5 Prozent.

Hoffmann war als Vorstand für das Industrie-und Auslandsgeschäft auch für die Niederlassung Württembergische UK in London zuständig, über die sich die Stuttgarter Gruppe am internationalen Markt für Rück-und Industriedeckungen beteiligte. Der Schaden stammt vor allem aus Beteiligungen an Gebäudeversicherungen in New York.

Ein Sprecher wollte nichts zu Marktgerüchten sagen, dass sich die W&W ganz aus dem Auslandsgeschäft zurückziehen will. „Natürlich ziehen wir aus so einem Schaden Konsequenzen in Bezug auf das Volumen und die Struktur des Geschäfts“, sagte er. „Konkrete Entscheidungen zur Württembergischen UK sind aber noch nichtgefallen.“

Offenbar prüfen die Stuttgarter Manager um den früheren Bausparkassenchef Gert Haller, der jetzt die Gruppe führt, zwei Optionen. Entweder versuchen sie im rasch härter werdenden Markt, den hohen Verlust durch Gewinne in den nächsten Jahren zumindest teilweise zu kompensieren, oder sie verlassen schnell den komplizierten und oft verlustträchtigen Londoner Markt.

Die Württembergische UK in ihrer jetzigen Form gibt es seit 1999, als der Stuttgarter Konzern ein erfahrenes Team von Versicherern von der Eagle Star Re übernahm. Die W&W-Gruppe wurde Anfang 1999 durch die Fusion der Württembergischen Versicherungsgruppe mit der Bausparkasse Wüstenrot geschaffen. Sie verzeichnete in 2000 Prämieneinnahmen von 3,3 Mrd., zu denen die Londoner Niederlassung knapp 250 Mio. beitrug, davon etwa 140 Mio. aus der aktiven Rückversicherung.

Aus einem anderen Unternehmen in Großbritannien zieht sich die W&W gerade zurück. Der Sprecher bestätigte, dass die Gruppe die Tochter Folgate in Poole verkaufen will. Verhandlungen werden mit der Towergate Underwriting Group geführt, die nach einer von der Investmentbank Fox-Pitt Keltonorganisierten Ausschreibung als bevorzugter Anbieter („preferred bidder“) ausgewählt wurde.

Die Folgate zeichnet ihr Geschäft nur über Makler und hat beiihnen einen guten Ruf. Vor zwei Jahren begann das Management der Folgate eine weit reichende Reorganisation, in der unter anderem das Gewerbegeschäft zusätzlich zum Privatkundengeschäft aufgenommen wurde. Dies habe „enormes Wachstum mit Rekordverkaufszahlen“ gebracht, so das Unternehmen. „Jetzt soll ein Käufer gefunden werden, der die zweite Stufe dieser strategischen Neuausrichtung unterstützen kann“, sagte der Sprecher. Die Verhandlungen mit Towergate sollen Ende Oktober abgeschlossen sein.

Towergate besteht seit 1997. Versicherungsmanager Peter Cullum gründete sie mit Unterstützung der Royal Bank of Scotland nach dem Verkauf seiner Economic Insurance an die Hiscox-Gruppe. Seit Anfang 1998 hat Towergate 29 Gesellschaften gekauft und fünf selbst gegründet. Zusammen kommen sie auf mehr als 200 Mio. # Beitragseinnahmen.

Der Schwerpunkt liegt bei großen Zeichnungsagenturen, die im Spezial-und Gruppengeschäft tätig sind. Dabei arbeitet Towergate mit großen Versicherern wie Axa, CGNU und Allianz Cornhill zusammen. Bis Ende 2004 will Cullum ein Volumen von 400 Mio. # erreichen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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