Lloyd’s mit deutlich höherem Terrorschaden

Von Jane Croft, London, und Herbert Fromme, Köln Der 300 Jahre alte Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s hat seine Schadenschätzung für die Belastung aus dem terroristischen Angriff auf das World Trade Center um 45 Prozent auf 1,9 Mrd. # ( 3 Mrd. Euro) angehoben. „Wir haben sehr deutlich erklärt, dass Lloyd’s seine Schäden vom 11. September zahlen kann. Die neue Vorhersage ändert daran nichts“, sagte der Lloyd’s-Vorsitzende Sax Riley. „Alle, die in diesen Zahlen nach Anzeichen für das Sterben von Lloyd’s suchen, werden enttäuscht sein.“ Überrascht zeigte sich dagegen Michael Deeny, Vorsitzender der Vereinigung von Lloyd’s-Mitgliedern – reichen Privatpersonen, die bei Lloyd’s investieren. „Lloyd’s wird überleben, aber das ist doch deutlich mehr, als wir annahmen“, sagte er. Einige Mitglieder werde der Schaden sehr heftig treffen.

Finanzchef Andrew Moss nannte zwei Gründe für die Steigerung: Die Gebäudeschäden aus New York seien höher als ursprünglich geschätzt. Zudem hat Lloyd’s Vorsorge für den möglichen Ausfall von Rückversicherern getroffen, bei denen sich die Marktteilnehmer abgesichert haben. Insgesamt wird der New Yorker Schaden auf mehr als 40 Mrd. $ geschätzt.

Der Brutto-Schaden – also die von Lloyd’s aufzubringenden Zahlungen, von denen ein Teil von Rückversicherern erstattet wird – beläuft sich nach der neuen Schätzung auf 5,7 Mrd. #, nur sechs Prozent mehr als ursprünglich geschätzt. Lloyd’s hat also Rückversicherungsschutz von 3,8 Mrd. # oder 6 Mrd. Euro. Das meiste davon dürften die großen Rückversicherer Münchener Rück, Swiss Re, Berkshire Hathaway (General Cologne Re) und Employers Re zu tragen haben.

Die neuen Zahlen ändern für Lloyd’s auch das Jahresergebnis für 2000 – statt eines Verlusts von 694 Mio. # rechnet der Markt jetzt mit einem Defizit von 1,49 Mrd. #. Unter dem speziellen dreijährigen Abrechnungssystem werden Schäden auf das Jahr gebucht, in dem die Police ausgestellt wurde, deshalb entfallen 650 Mio. # des Großschadens auf das Jahr 2000, der Rest auf 2001.

Quelle: Financial Times Deutschland


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