HDI setzt auf Boom nach der Krise

Von Herbert Fromme, Hannover Die Hannover Rück, die wichtigste Tochter des Haftpflichtverbandes der Deutschen Industrie (HDI), will ihre Eigenkapitalbasis vorübergehend um weitere 300 bis 500 Mio. Euro erhöhen, um die Chancen im härteren Rückversicherungsmarkt zu nutzen. Diese Maßnahmen führt das Unternehmen zusätzlich zu der Kapitalerhöhung von 194,3 Mio. Euro durch, die es bereits am 28. November angekündigt hatte und von der die Mutter HDI entsprechend ihres Anteils 75 Prozent aufbringen wird.

Das neue frische Geld kommt als so genanntes Eigenkapital-Substitut und wird über zwei Finanzinstrumente beschafft: Der größere Teil kommt aus so genannten Redeemable Preferential Shares – nicht stimmberechtigte Aktien mit höherer Dividende, die das ausgebende Unternehmen zu einem festgelegten Zeitpunkt wieder einzieht. Der kleinere Teil soll durch eine Verbriefung, also die Platzierung von Versicherungs-oder Rückversicherungsrisiken am Kapitalmarkt, beschafft werden. Mit dem Instrument der Verbriefung hat die Hannover Rück bereits große Erfahrung.

Man wende solche Instrumente an, weil die Hannover Rück das Kapital nicht dauerhaft brauche, sagte HDI-Chef Wolf-Dieter Baumgartl. „In zwei, drei Jahren wird sich der Zyklus wieder nach unten bewegen“, sagte er.

Das Geld soll der Hannover Rück ermöglichen, mehr Geschäft zu den jetzt zu erzielenden höheren Preisen zu zeichnen. Versicherer und Rückversicherer müssen ihr Geschäft in vorgeschriebenen Prozentsätzen durch Eigenkapital bedecken. Die Rating-Agenturen fordern darüber hinaus erhebliche Sicherheitsmargen bei der Kapitalausstattung. Dabei akzeptieren sie auch Eigenkapital-Substitute.

Um ihre hohen Ratings von Standard & Poor’s (AA+, „Very strong“) und A.M. Best (A+, „Superior“) zu erhalten, muss die Hannover Rück zu den Kapitalmaßnahmen greifen. Denn die Kunden – die Erstversicherer – achten sehr auf die finanzielle Stärke und damit die Ratings der Rückversicherer. Ein schlechteres Rating führt automatisch zum Abgang von Geschäft. Die Hannover-Rück-Aktie schloss gestern mit 68,40 Euro, ein Minus von 0,2 %.

Nach den hohen Belastungen des Jahres 2001 blickt Baumgartl hoffnungsvoll auf 2002. Wegen der Verhärtung der Märkte für Industrie-und Rückversicherung und auf Grund des starken Wachstums der Lebensversicherer erwartet er eine Steigerung des Umsatzes um rund 20 Prozent auf 19,7 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis soll sogar um 65 Prozent steigen. Für 2001 gab Baumgartl 343 Mio. Euro an – allerdings auf unkonsolidierter Basis. Die Bruttobeiträge stiegen um 7,4 Prozent auf 16,5 Mrd. Euro. „Für 2002 stehen alle Signale auf grün“, sagte Baumgartl.

Im Jahr 2001 waren sie eindeutig rot. Der Konzern rechnet mit einem Gesamt-Bruttoschaden aus dem Terrorangriff auf das World Trade Center von 1,34 Mrd. Euro. Davon tragen andere Rückversicherer, bei denen HDI und Töchter für sich selbst Rückdeckungen eingekauft haben, 920 Mio. Euro. Für die HDI-Gruppe bleibt ein Nettoschaden von 420 Mio. Euro, der mit 400 Mio. Euro überwiegend auf die Hannover Rück entfällt.

Die Hannover Rück wird deshalb nach 400 Mio. Euro im vergangenen Jahr 2001 kaum einen Gewinn zeigen. Möglicherweise werde sie aber trotzdem eine Dividende zahlen, sagte Baumgartl. „Wir hoffen weiter darauf.“ Auf jeden Fall werde die Hannover Rück die Zinsen auf Anleihen zahlen, die schon früher als Eigenkapitalersatz ausgegeben wurden. „Theoretisch hätten wir das Recht, die Zinsen nicht zu zahlen, wenn es keine Dividende gibt“, sagte Zeller.

Neben dem Schaden aus dem World Trade Center musste der HDI-Konzern Einbrüche bei den Kapitalerträgen wegen der schlechten Börsensituation hinnehmen. „Insgesamt ergibt sich für den HDI eine Ergebnisverschlechterung von 300 bis 350 Mio. Euro“, sagte Vorstandschef Baumgartl.

Da passt es gar nicht, dass die kleine Konzerntochter Aspecta in diesem Jahr einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag durch zweifelhafte Provisionszahlungen auf noch zweifelhaftere Lebensversicherungspolicen verloren hat.

Sehr erfreulich sind dafür die Zahlen der verkauften Riester-Policen, die Vorstand Norbert Kox bekannt gab. Die PB Versicherungen, die der HDI mit der Postbank betreibt, hat bisher 100 000 Riester-Policen abgesetzt, die CiV Versicherung, die über die Citibank verkauft, schon 75 000. Bis Jahresende sollen es 200 000 sein.

Zitat:

„Für 2002 stehen alle Signale auf grün“ – HDI-Konzernchef Wolf-Dieter Baumgartl.

Wilhelm Zeller

Chef der Hannover Rück, will die Chancen aus der Verhärtung der Rückversicherungsmärkte nutzen. Die Preise gehen bereits dramatisch nach oben. Um mehr Geschäft zu zeichnen, braucht er eine stärkere Kapitalbasis.

Hoher Schaden

Der international tätige Rückversicherer muss 1,32 Mrd. $ für den US-Terrorschaden zahlen. Davon werden ihm 920 Mio. $ von anderen Rückversicherern erstattet. Netto bleiben 400 Mio. $, der Gewinn fällt für 2001 aus.

Wolf-Dieter Baumgartl

Konzernchef des HDI, musste in diesem Jahr Schläge aus dem Terrorangriff in den USA und aus den fallenden Aktienmärkten hinnehmen.

Wachstum

An seiner aggressiven Wachstumsstrategie vor allem bei der Lebens-und der Rückversicherung will er nichts ändern. 2001 legte der Konzern um 7,4 Prozent auf 16,5 Mrd. Euro Beitragseinnahmen zu, für 2002 erwartet Baumgartl sogar 20 Prozent Zuwachs. 2002 soll auch wieder einen ordentlichen Gewinn bringen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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