W&W von hohem Verlust geschüttelt

Von Herbert Fromme, Stuttgart Der Finanzverbund Wüstenrot & Württembergische (W&W) zieht sich weitgehend aus dem Industriegeschäft zurück. Nach schweren Belastungen im Jahr 2001, unter anderem aus dem Angriff auf das New Yorker World Trade Center (WTC), will sich der Konzern auf das Privatkundengeschäft konzentrieren. Dabei sollen die Synergieeffekte zwischen der Bausparkasse und der Versicherungsgruppe noch besser genutzt werden.

Die Transport-und Industrietochter Wüba in Heilbronn wird nach hohen Verlusten saniert. Offenbar will die Gruppe sich von ihr trennen, dafür wird die Braut schön gemacht. Gerne loswerden würde die W&W auch das riskante Geschäft der Londoner Niederlassung Württ UK, über die der WTC-Schaden hereinkam. Es wird heruntergefahren.

Für das laufende Jahr hatte Vorstandschef Gert Haller gleich drei schlechte Nachrichten: der hohe Nettoschaden von mindestens 40 Mio. Euro aus dem World Trade Center, „unerwartet hoher Bereinigungsbedarf“ bei Versicherungstöchtern und die Aktienbaisse, die allein die Holding zu Abschreibungen von über 30 Mio. Euro zwang.

Zusammen führen diese Faktoren zu einem drastisch gesunkenen Gewinn vor Steuern von 16 Mio. Euro für die Gruppe. In 2000 hatte W&W noch 207 Mio. Euro ausgewiesen. Da einige Konzernteile, unter anderem die Bausparkasse, dennoch sehr erfolgreich waren, fallen trotzdem Steuern an. Nach Steuern beträgt der Konzernverlust 93 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 87 Mio. Euro in 2000. Das Ergebnis der Konzernholding verschlechtert sich sogar um 205 Mio. Euro. Statt eines Gewinns von 43 Mio. Euro weist sie einen Verlust von 162 Mio. Euro aus. Für 2001 fällt die Dividende aus.

Die Gruppe habe aber „operativ gut gearbeitet“ und hätte ohne diese Faktoren ein „Normalergebnis“ von 68 Mio. Euro Gewinn erzielt – eine merkwürdige Sicht des operativen Geschäfts eines Versicherers, zu dem natürlich auch die Zahlung eines Großschadens und die Kapitalanlagen gehören.

Die W&W ist 1999 aus der Fusion der Bausparkasse Wüstenrot mit der Württembergischen Versicherungsgruppe entstanden. Die Mehrheit hält mit 55 Prozent die Wüstenrot Holding, die Swiss Re 16 Prozent. Weitere Großaktionäre halten 22,5 Prozent, der Streubesitz beträgt 6,5 Prozent. W&W-Chef Haller zeigte sich überrascht von den „Altlasten“, wie er sie nannte. Auf Versicherungstöchter musste die W&W 55 Mio. Euro abschreiben und Verluste für zwei von ihnen übernehmen. Bei der Württembergischen Versicherung waren 65 Mio. Euro fällig, die nur teilweise mit dem WTC-Schaden erklärt werden können, bei der Wüba 20 Mio. Euro. Als Gründe nannte Haller Verluste aus dem operativen Versicherungsgeschäft, zu denen noch die Anfangskosten der teuren EDV-Umstellung kommen. Gleichzeitig hatte die Wüba einen hohen Aktienbestand. „Der Börsenentwicklung sind die Kapitalanlagereserven zu erheblichen Teilen zum Opfer gefallen“, so Haller. Ob die Wüba langfristig zum Konzern passe, müsse überlegt werden. Die Altlasten hätten auch früher beachtet werden können, sagte er – auch an die eigene Adresse gerichtet, schließlich waren ihm weder bei der Fusion 1999 noch in der Zeit bis Ende 2001 Probleme aufgefallen.

Zufrieden ist die W&W mit dem Neugeschäft. Beim Bausparen legte die Gruppe um fünf Prozent auf 8,1 Mrd. Euro Bausparsumme zu. Die Wohnungsfinanzierung war mit 6,5 Mrd. Euro stabil. Bei den Schaden-und Unfallversicherern stieg das Volumen um 10,6 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro, teilweise wegen des Auslandsgeschäfts. Im Inland gingen die Einnahmen um vier Prozent über dem Marktschnitt von 3,3 Prozent nach oben, trotz der Sanierung unter anderem in der Autoversicherung. Dort kündigte die Württembergische Verträge mit neun Agenturen, die insgesamt 5500 Kunden hatten, sagte Vorstand Edmund Schwake. In der Lebens-und Krankenversicherung stiegen die Neubeiträge um 3,6 Prozent.

Mit dem Verlust des Jahres 2001 seien die Probleme abgetragen, glaubt Haller. Für 2002 prognostiziert er eine Rückkehr zu gesunden Gewinnen. Dazu soll die Reduzierung des Beteiligungsbestandes beitragen. Beim Verkauf erzielt die W&W steuerfrei hohe Sondergewinne durch die Hebung stiller Reserven. Unter anderem gibt der Konzern zum 1. Januar 2002 25,1 Prozent an der Baden-Württembergischen Bank an die Landesbank ab.

Quelle: Financial Times Deutschland


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