Allianz kauft sich aus lästigem Vertrag heraus

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Mit der Zahlung von 18 Mio. DM hat sich die Allianz-Versicherung aus einem für sie ungünstigen Vertrag mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) herausgekauft. Der Verband hatte eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung bei der Münchner Gesellschaft abgeschlossen. Damit sicherte er sich gegen die finanziellen Folgen eines Konkurses von Mitgliedskassen ab.

Offensichtlich war die Allianz davon ausgegangen, dass eine Krankenkasse so schnell nicht pleite gehen kann. Als die BKK Hamburg 2000 in gravierende finanzielle Schwierigkeiten geriet, wurde sie eines Besseren belehrt. Der BKK-Bundesverband sah die Allianz bei der Sanierung der Kasse in der Pflicht. Es war von einer Zahlung von 40 Mio. DM die Rede. Der Versicherer lehnte aber die Zahlung ab.

So eindeutig war der Fall offensichtlich nicht, denn beide Seiten einigten sich vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung auf die Zahlung der 18 Mio. DM durch die Allianz und die Beendigung des Vertrags. Das Geld liegt zurzeit noch beim Bundesverband. Er verhandelt mit der BKK Hamburg über die Konditionen für die Auszahlung. Die Kasse fährt zurzeit einen strikten Sanierungskurs und konnte den Beitrag von 15,3 auf 14,9 Prozent senken.

Ganz los ist die Allianz ihr Engagement bei den Betriebskrankenkassen aber noch nicht. Sie hat mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen einen separaten Vermögensschaden-Haftpflicht-Vertrag – er war der Prototyp des bundesweiten Vertrags. Über ihn muss sie für die Pleite der BKK Düsseldorf aufkommen, die Ende letzten Jahres dichtgemacht hat. Wie hoch das Defizit der Kasse ist, steht noch nicht genau fest. Die Allianz ist aber voraussichtlich mit 4 bis 4,6 Mio. Euro dabei. Der Landesverband hat keinen Selbstbehalt vereinbart. Der Versicherungsfall könnte auch für diesen Vertrag das Aus bedeuten, endgültig entschieden ist das aber noch nicht. Für die Allianz wäre es jedenfalls eine willkommene Möglichkeit, ihr finanzielles Engagement bei den gesetzlichen Krankenkassen endgültig zu beenden.

Quelle: Financial Times Deutschland


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