Parion und Signal Iduna suchen Größe

Von Herbert Fromme und Judith Csaba, Köln Mit ihrer geplanten Fusion geben die Kölner Parion-Gruppe und die Signal Iduna dem Trend zur Konsolidierung im fragmentierten deutschen Versicherungsmarkt kräftigen Schwung.

Beide Gesellschaften gehören individuell zu den zehn größten Marktteilnehmern. Aber trotz 7,9 Mrd. DM Prämieneinnahmen im Jahr 2000 hatte die Signal Iduna einen Marktanteil von nur drei Prozent. Ähnlich ging es der Parion, die sich jetzt wieder ihres Traditionsnamens Gothaer erinnert, und in 2000 7,7 Mrd. DM Prämie aufwies.

Die veränderten Marktverhältnisse dringen auf die Schaffung größerer Einheiten. Das beginnt bei der Nutzung von Vertriebsmöglichkeiten: Selbst ein mittelgroßer Versicherer ist beim Abschluss eines bundesweiten Vertrages über die betriebliche Altersvorsorge wenig interessant, auch als Versicherungspartner einer Bank ist er unattraktiv. Die hohen Kosten von Produktentwicklung und EDV sowie die Notwendigkeit, ein schlagkräftiges Asset Management für die Kapitalanlagen zu unterhalten, verstärken den Fusionsdruck weiter.

Aber offenbar ist der Druck noch nicht groß genug. Viele Gesellschaften sind immer noch sehr reich. Dazu kommen häufig Querelen über die künftige Führung nach Fusionen und die Angst vor unbekannten Risiken. Deshalb sind zahlreiche Fusionen trotz Ankündigung nicht zustande gekommen. Dazu gehören der spektakulär geplatzte Zusammenschluss von HDI und HUK Coburg, ein geplantes Zusammengehen von Alte Leipziger und Parion, die ergebnislosen Verhandlungen von Signal Iduna mit VHV oder – ganz aktuell – der gescheiterte Zusammenschluss von VHV und Inter.

Das könnte bei Parion und Signal Iduna anders sein. Beide haben Erfahrungen mit Fusionen: Die Parion entstand aus Gothaer und Berlin-Kölnischer, die Signal Iduna aus Signal und Iduna-Nova. Die in der Assekuranz berühmte „rheinische Frage“ – Wer wird Chef? – scheint nach dem Weggang von Parion-Vorstand Wolfgang Peiner, der jetzt Finanzsenator in Hamburg ist, auch lösbar. Sein Nachfolger Werner Görg ist klug genug, sich für eine Zeit mit der zweiten Position zufrieden zu geben.

Mit Parion und Signal Iduna kommen Gruppen zusammen, die beide in allen drei Sparten Leben, Kranken und Schaden/Unfall schon aktiv sind. Die Aktivitäten überlappen sich, es geht ihnen vor allem um Größeneffekte. Die Signal Iduna hat enge Verbindungen zum Handwerk, der Parion-Gruppe fehlt ein solches Klientel. Ihr Industriegeschäft bereitet zur Zeit eher Kopfschmerzen. Auch das Krankengeschäft der Tochter Berlin-Kölnische verläuft wenig erfolgreich.

Leicht wird die Fusion nicht. Das liegt auch an der Rechtsform. Die Konzerne bestehen aus Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit. Anders als Aktiengesellschaften haben Vereine keine Aktionäre, sondern „gehören“ ihren Versicherten. Tatsächlich ist der Einfluss der Mitglieder gering. Die Vereine können nur sehr schwer fusionieren und müssen in der Regel Hilfskonstruktionen aufbauen. Meist bilden sie so genannte Gleichordnungskonzerne von kapitalmäßig unabhängigen, aber über Kooperationsverträge und gemeinsames Führungspersonal verbundenen Vereinen.

Der Jurist und Steuerberater Görg hat für die Parion-Gruppe im letzten Jahr den entscheidenden Anstoß zur Überwindung dieser Schwierigkeiten geliefert. Nach Vorarbeiten des HDI in Hannover organisierte er zusammen mit Peiner eine weitreichende Strukturreform. In den Konzern wurde als Zwischenebene die Parion Finanzholding AG eingezogen. Die operativen Versicherer werden von ihr kontrolliert. Der Versicherungsverein hat nur noch wenig aktives Versicherungsgeschäft und hält die Aktien der Zwischenholding.

Der Vorteil: An der Parion Finanzholding könnte sich jetzt auch die Signal Iduna beteiligen, ihr aktives Geschäft könnte mit dem der Parion-Versicherer fusioniert werden.

Das geplante Zusammengehen der VHV-Gruppe in Hannover mit den Inter Versicherungen in Mannheim zu einem Gleichordnungskonzern kommt dagegen nicht zustande. Geplant war die Bildung des Konzerns aus den drei Versicherungsvereinen Inter Kranken, Inter Leben und VHV zum 1. Januar 2002. Gestern sagten die beiden Gruppen ab. Hintergrund war, so Brancheninformationen, die gegenseitige Risikoprüfung. Die Inter, die vor allem als Krankenversicherer stark ist, hatte vor kurzem das stark defizitäre deutsche Industriegeschäft des finnischen Versicherers Sampo übernommen. Das habe in Hannover den Ausschlag gegen den Zusammenschluss gegeben.

Reinhold Schulte

ist Vorstandschef der Signal Iduna. Die Gruppe entstand 1999 aus der Fusion der Signal in Dortmund mit der Iduna Nova in Hamburg. Sie hat gute Beziehungen zum Handwerk und dessen Organisationen wie Innungen und Kammern.

Werner Görg

führt seit November die Parion-Gruppe, die nach ihrer Umstrukturierung wieder unter dem Namen Gothaer Konzern antritt.

Münchener Verein

Die Signal Iduna hat im vergangenen Jahr 51 Prozent an der Sachversicherung der Gruppe Münchener Verein übernommen. Der Verein ist als Kranken-und Lebensversicherer ebenfalls stark im Handwerkermarkt.

Vertreter

Parion und Signal Iduna arbeiten vor allem mit Vertretern. Sie suchen aber Alternativen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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