Schwache Märkte treffen Allianz Leben

Von Herbert Fromme, Köln Niedrigere Zinsen und die Schwäche der Aktienmärkte hinterlassen ihre Spuren in den vorläufigen Zahlen der Allianz Lebensversicherung. Gleichzeitig ist das Unternehmen zufrieden mit dem Neugeschäft und den Verkaufsleistungen der Allianz-Tochter Dresdner Bank. Signalwirkung für die Branche hat die Entscheidung des Marktführers, die auf Druck der Versicherer eingeführten Änderungen des Paragrafen 341 Handelsgesetzbuch (HGB) zu nutzen und keine Abschreibungen auf Aktien vorzunehmen, deren Marktwert unter den Buchwert gefallen ist.

Das Stuttgarter Unternehmen erzielte im Jahr 2001 eine Nettoverzinsung von rund 6,8 Prozent auf seine Kapitalanlagen, die um 5,5 Prozent auf 912,6 Mrd. Euro stiegen. Einen ganz genauen Wert wollte Finanzchef Maximilan Zimmerer noch nicht nennen. „Wir werden aber wohl einen Prozentpunkt unter den 7,8 Prozent des Jahres 2000 liegen.“ Da die Allianz Leben ihren Kunden für 2001 eine Gewinnzusage von 7,5 Prozent auf das zu verzinsende Kapital gemacht hat, musste sie mehr aus den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen entnehmen als zuführen. Im Vorjahr war es noch umgekehrt.

Auch die Bewertungsreserven – früher stillen Reserven – spiegeln die Schwäche der Aktienmärkte. Sie zeigen die Differenz vom Marktwert der Anlagen und ihrem Buchwert. Die Bewertungsreserven der Allianz Leben lagen Ende 2001 knapp über elf Prozent der Kapitalanlagen – deutlich unter den 19,6 Prozent Ende 2000. Man habe sich früh entschlossen, den geplanten Ausbau des Aktienanteils am Portfolio in 2001 nicht voranzutreiben und zusätzlich risikobehaftete Sektoren zu verringern, hieß es in einer Stellungnahme. Der Aktienanteil an den Kapitalanlagen nach Marktwerten fiel von 30 Prozent Ende 2000 auf unter 25 Prozent.

Nach Angaben von Finanzchef Zimmerer wird das Unternehmen die neuen Möglichkeiten des Paragrafen 341 HGB nutzen. Danach müssen Versicherer Abschreibungen auf Aktien nur vornehmen, wenn der Wertverlust der Aktien unter ihren Buchwert als dauerhaft angesehen wird. „Wenn wir die Möglichkeit nicht nutzen, kommt es zu einer Differenz von Handels-und Steuerbilanz“, sagte Zimmerer. „Wir würden dann Steuern auf Gewinne zahlen, die gar nicht anfielen.“ Damit hat das Unternehmen zum ersten Mal „stille Lasten“, also nicht realisierte Verluste, in den Büchern. „Bei uns macht das weniger als 200 Mio. Euro aus, rund drei Prozent des betroffenen Fondsvermögens“, sagte Zimmerer. Im Jahresbericht werde die Allianz Leben die vermiedenen Abschreibungen vollständig angeben. „Das sollten wir in der Versicherungsbranche überhaupt so halten. Bei den Banken ist das üblich.“

Zufrieden ist das Unternehmen mit dem Neugeschäft. Insgesamt verkaufte die Allianz Leben 550 000 Verträge, 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Nachfrageschub nach Berufsunfähigkeitsversicherungen und die Riester-Rente trugen maßgeblich dazu bei. Die Allianz setzte 300 312 Riester-Verträge ab, rund 90 Prozent von ihnen in Form einer klassischen Rentenversicherung, zehn Prozent als fondsgebundene Policen. Im gesamten Riester-Geschäft hat die Allianz einen Marktanteil von 21,2 Prozent, deutlich über ihrem Anteil von 16 Prozent im gesamten Lebensversicherungsmarkt.

Das Neugeschäft stieg nur um ein Prozent auf 2 Mrd. Euro Jahressollbeitrag. „Das lag allein daran, dass wir in 2000 einen Vertrag mit 269 Mio. Euro Einmalbeitrag aus einer betrieblichen Altersversorgung abgeschlossen haben“, sagte Zimmerer. Das konnte die Allianz in 2001 nicht wiederholen. Bei der betrieblichen Altersvorsorge seien die Unternehmen wegen der Änderungen durch das Altersvermögensgesetz sehr zurückhaltend gewesen. Sonst hätte das Wachstum in 2001 bei 17,4 Prozent gelegen. Ebenfalls diesem Sonderfaktor zuzuschreiben sei der Rückgang der Beitragseinnahmen um 1,4 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro.

Stolz ist die Allianz Leben auf die Steigerungen im Bankvertrieb. Im Januar 2002 sei das über die Dresdner Bank vertriebene Volumen 45 Prozent höher gewesen als das Geschäft, das im Januar 2001 über Dresdner und HypoVereinsbank – die damaligen regionalen Kooperationspartner – verkauft wurde. Im Monatsdurchschnitt habe die Dresdner Bank im letzten Quartal 2001 Neugeschäft von 108 Mio. Euro Jahresprämie abgesetzt, sagte ein Sprecher.

Besser als die meisten Konkurrenten schlug sich die Allianz Leben erneut bei der Stornoquote. Nur 3,5 Prozent des Bestandes wurden gekündigt, nach 3,4 Prozent in 2001. Der Marktschnitt liegt bei 4,7 Prozent. Die Abschlusskosten fielen leicht von 5,5 Prozent der Beitragseinnahmen auf 5,3 Prozent, die Verwaltungskosten blieben bei 2,4 Prozent konstant.

Quelle: Financial Times Deutschland


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