Gerling-Konzern verhängt Einstellungsstopp

Versicherer mit radikalem Sparprogramm nach Verlusten im Jahr 2001 · Investitionen ebenfalls betroffen

Von Herbert Fromme, Köln Der Versicherungskonzern Gerling hat nach Informationen der Financial Times Deutschland einen Einstellungsstopp für alle Konzerngesellschaften weltweit verhängt. „Betroffen sind alle externen Einstellungen des Innen-und Außendienstes, inklusive der Übernahme von Auszubildenden“, heißt es in einer Anweisung. Ausnahmen müssten vom Vorstand der Obergesellschaft Gerling-Konzern Beteiligungs-Gesellschaft (GKB) genehmigt werden.

Gleichzeitig beschloss der Vorstand einen Investitionsstopp. „Alle Anschaffungen und Investitionen, die über 50 000 Euro liegen, sind dem GKB-Vorstand zur Genehmigung vorzulegen“, teilte der neue Konzernchef Heinrich Focke mit.

Ein Gerling-Sprecher bestätigte die Maßnahmen. Allerdings sei die Anweisung, auch Auszubildende nicht zu übernehmen, weniger dramatisch, als sie auf den ersten Blick wirke. „Wir haben rund 100 Auszubildende. Die Termine für Prüfungen liegen im Sommer, sodass sich die Frage dann erst stellt“, sagte er.

Der Gerling-Konzern hat ein sehr schwieriges Jahr 2001 hinter sich, unter anderem wegen wegen der Nettobelastung von 270 Mio. Euro aus dem Terrorüberfall auf New York. Weil die Erträge aus Kapitalanlagen nicht ausreichten, um die hohen Verluste im eigentlichen Versicherungsgeschäft auszugleichen, mussten die beiden Aktionäre im Dezember 208 Mio. Euro frisches Kapital einschießen. Der Konzern gehört zu 70 Prozent Rolf Gerling, zu 30 Prozent der Deutschen Bank.

Die Bank will lieber heute als morgen ihren Anteil verkaufen. Ein Käufer ist schwer zu finden, weil Rolf Gerling seine Mehrheit nicht aufgeben will. Nach der Allianz ist der Gerling-Konzern der zweitgrößte Industrieversicherer in Deutschland. Die Verluste kamen aus der Industrie-und der übrigen Sachversicherung, in der Gerling rund 3 Mrd. Euro Prämieneinnahmen verbucht, und aus der Rückversicherung mit 5 Mrd. Euro.

Focke, der am 1. Januar Jürgen Zech an der Konzernspitze ablöste, hat dem Konzern inzwischen ein Fitnessprogramm mit dem Titel „Aufbruch“ verpasst. Bis Anfang April, so Focke in der letzten Woche in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, will der Konzern entscheiden, wo das Kapital an sinnvollsten eingesetzt werden kann. Alle Konzernbereiche stehen auf dem Prüfstand, so Focke.

Zitat:

„Betroffen sind alle externen Einstellungen des Innen-und Außendienstes“ – Gerling-Anweisung.

Quelle: Financial Times Deutschland


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