Iraks Ölpolitik verschärft Tankerkrise

Reeder kommen mangels Aufträgen stark unter Druck

Von Herbert Fromme, Köln Die Entscheidung Iraks, seine Ölexporte auszusetzen, hat zu einer drastischen Verschärfung der Beschäftigungskrise für Großtanker geführt. Experten glauben, dass dies den Druck auf Reeder verschärfen könnte, sehr alte Tanker von 25 Jahren und mehr aus dem Verkehr zu ziehen.

Vor einer Woche hatte die irakische Führung bekannt gegeben, aus Protest gegen die israelische Militäroffensive seine Öllieferungen für 30 Tage auszusetzen – sowohl durch die Pipeline, die zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan führt, als auch durch die eigenen Häfen.

Die Entscheidung führte sofort zu einem weiteren Einknicken des Marktes für Großtanker. Die Charterraten – die Mietpreise für Schiffe – rauschten in den Keller. Die Londoner Schiffsmaklerfirma EA Gibson schätzt, dass in den nächsten 30 Tagen 86 Schiffe mit einer Kapazität von jeweils über 300 000 Tonnen Transportkapazität für Rohöl im oder vor dem persischen Golf auflaufen und auf Ladung warten.

Trotz der UN-Sanktionen gegen Irak liefert das Land in begrenztem Umfang Rohöl unter dem von den Vereinten Nationen überwachten Programm „Öl gegen Lebensmittel“. Die offiziellen Exporte belaufen sich durchschnittlich auf zwei Millionen Fass pro Tag, nur drei Prozent der Weltproduktion. Trotz des kleinen Volumens hat die irakische Entscheidung in den letzten Tagen zu Turbulenzen auf den Ölmärkten geführt. Mehr als zwei Drittel der irakischen Ölexporte gehen in die USA.

Direkte Auswirkungen hatte Saddam Husseins Bekanntmachung auch auf die Tankerschifffahrt. „Die Iraker haben bestehende Verträge einfach gebrochen, das hat zu einem logistischen Alptraum geführt“, sagte ein anderer Londoner Makler der Schifffahrtszeitung „Lloyd’s List“. Er glaubt aber, dass Saudi-Arabien stillschweigend die Lücke füllen wird, die der irakische Boykott hinterlässt. Dies werde innerhalb weniger Wochen wieder für Beschäftigung sorgen.

Vor allem für die Besitzer sehr alter Schiffe könnte das zu spät sein. Für sie war der Irakverkehr eine Marktlücke. Sie sind deshalb so wichtig, weil die Iraker nicht wählerisch sind. Dagegen werden uralte Tanker auf den meisten anderen klassischen Großtankerrouten kaum noch eingesetzt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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