AWD plant weitere Übernahmen in Deutschland und Europa

Von Herbert Fromme, Köln Der Finanzvertrieb AWD will weiter zukaufen. Nach der geplanten Übernahme des Konkurrenten Tecis stehen sowohl neue Ziele in Deutschland als auch Übernahmen in Großbritannien auf dem Programm, sagte ein Sprecher. Unternehmenschef Carsten Maschmeyer erklärte auf der Hauptversammlung des Unternehmens, er habe „zahlreiche Anfragen von guten deutschen Finanzdienstleistern, ob sie sich unserer Bewegung der Unabhängigkeit nicht anschließen könnten“.

Maschmeyer ist begeistert: „Das gab es noch nie in unserer Branche. Wir haben die Qual der Wahl.“ Grund sei der Konsolidierungsprozess der Finanzdienstleistungsbranche, der durch AWD in den vergangenen Monaten maßgeblich vorangetrieben worden sei. In Großbritannien habe das Unternehmen bereits seit vorigem Herbst mit der Finanzgruppe Thomson’s eine gute Basis für weitere Übernahmen.

Für Tecis bietet AWD 31,50 Euro je Aktie. Der Vorstand des Hamburger Finanzvertriebs empfahl seinen Aktionären gestern die Annahme des AWD-Angebots. Der Preis stelle eine deutliche Prämie gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate dar.

AWD-Finanzvorstand Ralf Brammer erklärte auf der Hauptversammlung, der Kaufpreis für Tecis von maximal 377 Mio. Euro werde aus dem Erlös von rund 500 Mio. Euro aus dem Börsengang von AWD im Jahr 2000 bezahlt. Für weitere Akquisitionen oder Allianzen stünden andere Möglichkeiten zur Verfügung. Unternehmenschef Maschmeyer hänge nicht an seiner Mehrheit von 53 Prozent. Außerdem, so ein Sprecher, gebe es die Möglichkeit der Kapitalerhöhung.

Maschmeyer wiederholte seine optimistische Voraussage, 2002 ein zweistelliges Umsatzwachstum auf 475 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro zu erreichen. Für das Jahr 2004 strebe er 800 Mio. Euro sowie eine operative Marge von zehn Prozent an.

Die AWD-Aktie schloss gestern deutlich im Minus bei 25,60 Euro, einem Verlust von 3,4 Prozent. Dazu trugen vor allem neue Vorwürfe gegen den Konkurrenten MLP bei, dem das Anlegermagazin „Börse Online“ weitere Bilanztricks vorwarf. Außerdem wurde die Möglichkeit einer AWD-Kapitalerhöhung negativ aufgenommen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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