Gerling sucht Partner für Rückversicherer

Von Herbert Fromme, Köln So ganz einig schienen die Herren nicht. „Ich kann nicht ausschließen, beim Rückversicherer in die Minderheit zu gehen“, sagte Heinrich Focke, seit 1. Januar Chef der angeschlagenen Gerling-Gruppe. Vorstandsmitglied Björn Jansli nur eine Minute später: „Ich schließe die Minderheit aus.“ Gerling müsse die Kontrolle über den Rückversicherer behalten, weil nur so die konzerninterne Rückdeckung für die Industrieversicherung gesichert sei.

Man kann nur hoffen, dass die Gerling-Führung Interessenten gegenüber eindeutiger auftritt als auf der turbulenten Pressekonferenz. Einig sind sich Focke und Jansli, dass möglichst noch 2002 ein kapitalkräftiger Partner für das defizitäre Rückversicherungsgeschäft gefunden werden soll. Denn der Markt habe sich gedreht, die Gerling Globale Rück könne sich mit „Geschäft voll saugen wie ein trockener Schwamm“, sagte Focke – wenn sie genügend Kapital habe.

„Das hat mit dem Verkauf des Konzerns nichts zu tun“, sagte Focke. Den Konzernverkauf durch Rolf Gerling (65,5 Prozent) und die Deutsche Bank (34,5 Prozent) bereitet ein fünfköpfiger Ausschuss mit Vertretern der beiden Aktionäre vor. Vor 2003 sei kaum mit Ergebnissen zu rechnen. Die Investmentbanker der Deutschen Bank hätten erst in der vergangenen Woche das Mandat erhalten, mit potenziellen Interessenten Kontakt aufzunehmen.

Die Zustimmung zum Verkauf der gesamten Gruppe erzwang die Deutsche Bank im März von Rolf Gerling. Dabei gebe es das „gemeinsame Grundverständnis“ der beiden Aktionäre, dass Gerling nicht zerschlagen werden soll, sagte Focke – also kein getrennter Verkauf von Rückversicherer und Erstversicherern, wie in der Branche allgemein erwartet wird.

Wie das mit der eiligen Suche nach dem Partner für die Rückversicherung zusammenpasst, bleibt das Geheimnis der Gerling-Führung. Sie setzt auf Investoren, die Milliardenbeträge für das jetzt wieder lukrative Rückversicherungsgeschäft zur Verfügung stellen wollen, die unternehmerische Kontrolle soll aber Gerling überlassen bleiben – einer Gruppe, die zum Verkauf steht und von der man nicht weiß, zu wem sie demnächst gehört. Unter anderem hätten neu gegründete Rückversicherer in Bermuda Interesse, sagte Jansli.

Focke betonte, nur die Rückversicherung sei für das negative Ergebnis 2001 verantwortlich. Die Erstversicherung mit Kunden aus Industrie, kleineren Firmen und aus dem Privatbereich habe sich positiv entwickelt, ebenso die Lebens-und die Kreditversicherung. In der Rückversicherung sei Gerling zu schnell in einem schlechten Marktumfeld gewachsen. „Dazu kam ein Ergebniseinbruch im US-Geschäft und extreme Belastungen durch Großschäden.“ Allein das World Trade Center kostete 316 Mio. Euro. Das Ergebnis sei außerdem durch Verluste aus Altverträgen belastet worden.

Die Rückversicherung verbuchte einen Verlust von 583 Mio. Euro in 2001 – nach einem Gewinn von 86 Mio. Euro im Vorjahr. Das war der zentrale Faktor, der den Konzern mit 563 Mio. Euro in die roten Zahlen brachte, verglichen mit einem Gewinn von 169 Mio. Euro in 2000. Ein Zuschuss von 102 Mio. Euro, den Rolf Gerling im Mai leistete, ist dabei eingerechnet.

2002 werde Gerling an den Gewinn des Jahres 2000 anknüpfen können, sagte Focke. Höhere Preise und der Ausstieg aus verlustbringendem Geschäft, verbunden mit Kostensenkung, zeigten Wirkung. Gerling wolle sich in der Industrieversicherung als europäischer Risikomanager aufstellen und kapitalbindende Randaktivitäten aufgeben.“Wir sind die europäische Alternative zur Allianz“, sagte Focke.

Zitat:

„Wir sind die europäische Alternative zur Allianz“ – Gerling-Chef Heinrich Focke

Quelle: Financial Times Deutschland


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