Versicherer und Spediteure streiten über Deckung

Bedingungsänderungen und Preiserhöhungen stehen bevor · Hohe Verluste in den letzten Jahren

Von Herbert Fromme, Köln Zwischen den Spediteuren und der Assekuranz bahnt sich ein großer Krach an. In der vergangenen Woche haben die Versicherer auf einer Veranstaltung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) „unverbindliche Verbandsempfehlungen“ für ihre Bedingungen beschlossen – sehr zum Unwillen der Spediteure.

Es gilt als wahrscheinlich, dass im Gegenzug große Makler jetzt eigene (spediteursfreundliche) Bedingungen entwerfen und versuchen werden, bei Versicherern neues Geschäft unter diesen besseren Konditionen zu platzieren.

Die Versicherer wollen unter anderem die quasi automatische Schadenversicherung als Teil der Spediteurs-Haftpflicht abschaffen. Alle Spediteure haften für Schäden an Gütern. Dafür müssen sie sich versichern. Gleichzeitig bieten sie bisher ihren eigenen Kunden eine Schadenversicherung an: Sollten die Güter ohne Verschulden des Spediteurs beschädigt werden, sind sie dann trotzdem versichert. Das Angebot ist bindender Bestandteil der Allgemeinen Deutschen Spediteur-Bedingungen (ADSp). Ohne Schadenversicherung gelten die ADSp nicht mehr. Das wollen die Spediteure verhindern.

„Wir haben hohe Verluste gemacht“, erläutert Franz Rudolf Golling, Vorsitzender des GDV-Transportausschusses. Oft sei nicht einmal die vom Spediteur eingesammelte Schadenprämie ganz an den Versicherer weitergeleitet worden.

Mit einer weiteren Änderung ihrer Bedingungen nehmen die Transportversicherer Güter, die länger gelagert werden, künftig von der Deckung aus. „Dann müssen sie unter Feuerpolicen versichert werden, nicht bei Transport“, sagte Golling. Hintergrund sind die Terrorgefahren: für transportierte Güter sieht der Markt kaum Terrorrisiken, bei Lagern schon. Deshalb sei für die Mischung beider Formen künftig keine Rückversicherung mehr zu bekommen.

Golling kündigte auch massive Preiserhöhungen für Spediteure an. „In der ersten Runde müssen das mindestens 20 Prozent sein, in Einzelfällen sogar eine Verdoppelung“, sagte er. In der Spediteursversicherung seien die Prämieneinnahmen von 200 Mio. Euro in 2000 auf 175 Mio. Euro in 2001 zurückgegangen, die Verluste dagegen kräftig gestiegen.

Leitartikel

Seite 27.

Quelle: Financial Times Deutschland


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