Krankenversicherer uneins über Prämienerhöhungen

Von Ilse Schlingensiepen und Herbert Fromme, Köln Die Deutsche Krankenversicherung AG hat sich Ärger mit der Konkurrenz eingehandelt. Die Prognose von Vorstandschef Jan Boetius, die Branche werde nächstes Jahr im Schnitt die Preise um mehr als zehn Prozent erhöhen, wurde von anderen Unternehmen und vom Verband der Privaten Krankenversicherung zurückgewiesen. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie er dazu kommt, für die private Krankenversicherung zu sprechen“, beschwerte sich der Verbandsvorsitzende Reinhold Schulte. Boetius ist einer seiner Stellvertreter.

Es sei noch viel zu früh, um konkrete Prognosen abzugeben, sagte Schulte, Vorstandschef der Signal Iduna. Das von Boetius skizzierte Niveau sei aber auf jeden Fall übertrieben. Bei der Signal Iduna Kranken etwa, der Nummer vier im Markt, würden die Anpassungen „weit darunter“ liegen. Ähnlich äußern sich auch Debeka und Vereinte als zweit-und drittgrößte Gesellschaften. Boetius hatte auch den Marktführer DKV selbst ausdrücklich von seiner Prognose ausgenommen.

In der Einschätzung der Gesamtentwicklung des Marktes liegen die Münchener-Rück-Tochter DKV und die Vereinte, Mitglied der Allianz-Gruppe, nicht weit auseinander. Auch die Vereinte erwartet „spürbare Beitragsanpassungen“ bei der Konkurrenz. „Diese können deutlich – je nach Unternehmenssituation – die Zehn-Prozent-Marke übersteigen“, heißt es. Das Unternehmen nutzte die Chance, noch einmal für sein in der Branche umstrittenes Zukunftsmodell zu werben. Es sieht die Einführung der Kapitaldeckung für die gesamte Krankenversicherung und eine Versicherungspflicht für alle vor. Die bisherige Trennung in einen privaten und einen gesetzlichen Bereich wäre damit obsolet.

Einig sind sich die privaten Krankenversicherer darüber, dass ihnen die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen schwer zu schaffen macht. Durchgehend leiden die Unternehmen insbesondere an drastischen Steigerungen bei den Ausgaben für die ärztliche Behandlung und für Arzneimittel. „Das wird sich auch auf die Prämien auswirken“, weiß Verbandschef Schulte. „Die Frage ist nur, in welcher Höhe.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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