Scor drückt bei Kauf von Gerling Rück aufs Tempo

Von Herbert Fromme, Monte Carlo Die französische Rückversicherungsgruppe Scor will die Verhandlungen über den Ankauf von Teilen der Gerling Globale Rück (GGR) „so oder so“ in den nächsten vier Wochen abschließen. Das sagte Jacques Blondeau, Vorstandschef der Pariser Gesellschaft, der Financial Times Deutschland bei der jährlichen Welt-Rückversicherungskonferenz in Monte Carlo. Scor hatte letzte Woche mitgeteilt, sie führe „exklusive Verhandlungen“ mit der Gerling Holding über die Übernahme von Teilen des Rückversicherungsgeschäfts.

„Bis zur Baden-Baden-Woche muss das abgeschlossen sein“, sagte Blondeau. In Baden-Baden verhandeln die Rückversicherer mit ihren Kunden, den Erstversicherern, traditionell in der letzten Oktoberwoche über die Verträge für das kommende Jahr. Blondeau befürchtet zurecht, dass die GGR ohne klare Aussagen über ihre Zukunft Schwierigkeiten haben wird, die Abschlüsse für 2003 in trockene Tücher zu bekommen.

Scor und GGR würden sich in der Lebens-Rückversicherung „ideal ergänzen“, sagte Blondeau. „Sie sind in den USA stark, wir in Kanada, sie in Deutschland, wir in Frankreich.“ Über die anderen GGR-Teile gebe es noch Verhandlungen. Am konzerninternen Rückversicherungsgeschäft der Gerling Gruppe sei Scor prinzipiell interessiert, allerdings nicht an einem bestehenden Quotenvertrag mit der Gerling Konzern Allgemeine, dem wichtigsten Industrieversicherer der Gruppe, unter dem ein bestimmter Prozentsatz des Geschäfts automatisch an GGR geht. Auch für Rückversicherung, die im Londoner Markt gezeichnet wird, habe sich Scor „nie begeistern“ können, sagte Blondeau. Die Notwendigkeit, sich gegen Altlasten zu schützen, führe zu keinen besonderen Schwierigkeiten. „Mit der Entscheidung, das US-Geschäft zu schließen, hat Gerling das Wesentliche da schon getan“, erläuterte der Scor-Chef.

Sollte es zu einem Deal kommen, müsse der Name geändert werden. „Die Gerling Gruppe gibt es ja weiterhin.“ Scor werde dann „einen bedeutenden Stützpunkt“ in Köln haben. Zum Preis wollte sich Blondeau nicht äußern. Er hänge von den übernommenen Teilen sowie deren Kapitalausstattung ab. Vorstellungen, der darüber hinaus bestehende Unternehmenswert (Goodwill) liege bei 500 Mio. Euro, seien „lächerlich“, sagte ein anderer Manager.

Quelle: Financial Times Deutschland


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