Gerling Globale Rück steht vor der Zerlegung

Firma droht Ausschluss vom Versicherungsgeschäft

Von Herbert Fromme, Köln Der angeschlagene Gerling-Konzern sucht in letzter Minute internationale Investoren, die einen Kern des Rückversicherungsgeschäfts der Gruppe übernehmen wollen. Finden sich bis Ende nächster Woche keine Geldgeber, will Gerling nach Informationen der FTD die Rückdeckung von Schaden-und Unfallversicherern sofort einstellen. Die Lebens-Rückversicherung ist davon nicht betroffen. Für die Übernahme dieses Geschäfts, das ein Viertel des Umsatzes von 5,9 Mrd. Euro ausmacht, gibt es mehrere Anwärter, darunter die Hannover Rück.

Derzeit verhandeln Vorstände des sechstgrößten Rückversicherers der Welt in London mit Investmentbanken, Risikokapitalgebern und Versicherern aus den USA, Bermuda und Großbritannien. „Das Management hat potenziellen Investoren ein plausibles Konzept vorgelegt“, sagte ein Londoner Versicherer.

GGR benötigt 300 Mio. Euro

Allerdings stünden die Unterhändler unter ungeheurem Zeitdruck. Die Gerling Globale Rück (GGR) müsse vor den alljährlichen Verhandlungsrunden von Rückversicherern und Versicherern am 21. Oktober in Baden-Baden Partner gefunden haben. „Sonst ist das Unternehmen nicht mehr zeichnungsfähig“, sagte der Versicherer. Für das Konzept mit dem Arbeitstitel „Europe Plus Re“ werden mindestens 300 Mio. Euro von Investoren gebraucht. Aber selbst dann würden nur rund 25 Prozent des bisherigen Geschäfts weitergeführt.

In den letzten zwei Wochen hatte Gerling vergeblich versucht, deutsche Kunden des Rückversicherers für eine von ihnen getragene Auffanglösung („Gereon Rück“) zu gewinnen. Davor waren weit fortgeschrittene Verhandlungen mit dem Pariser Rückversicherer Scor am Widerstand der Scor-Aktionäre gescheitert.

Insolvenz droht nicht

Die mögliche Einstellung eines Großteils des Rück-Geschäfts hätte nichts mit einer Insolvenz zu tun. Das Unternehmen würde kein neues Geschäft annehmen, aber bestehende Verpflichtungen mit den vorhandenen Schadenrückstellungen abwickeln.

Die GGR erlitt 2001 einen Verlust von 583 Mio. Euro. Großschäden wie das World Trade Center kamen zusammen mit Altlasten und einer tief defizitären US-Tochter. Die Krise führte dazu, dass die beiden Aktionäre des Gerling-Konzerns, Rolf Gerling (65,5 Prozent) und Deutsche Bank (34,5 Prozent), die gesamte Gruppe zum Verkauf stellten. Vorher muss aber das Problem der defizitären GGR gelöst werden.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) senkte gestern die Bewertung der Konzerngesellschaften Gerling Allgemeine und Gerling Leben von „A“ auf „A-„. Die GGR behielt ihr ohnehin schlechtes „BBB“-Rating. S&P sieht die Aussichten der GGR jetzt negativ und nicht mehr neutral.

Quelle: Financial Times Deutschland


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