Gothaer begräbt Hoffnung auf Fusionswelle

Versicherungsverein verabschiedet sich von Parion-Konzept “ Starkes Wachstum für 2002 erwartet

Von Herbert Fromme, Köln Die Gothaer-Versicherungsgruppe, die sich zu den zehn größten Versicherern zählt, glaubt nicht mehr an die große Fusionswelle unter mittleren und kleinen Unternehmen. „Die Reduzierung der Marktteilnehmer wird nicht durch glückliche Hochzeiten geschehen“, sagte Vorstandschef Werner Görg.

Versicherer ohne attraktive Vertriebe hätten es schwer, Partner zu finden, viele müssten einfach aufgeben. Die Gruppe zieht die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis. Ihre Zwischenholding Parion, einmal als mögliche Andockstation für andere Gegenseitigkeitsvereine gegründet, wird in Gothaer Finanzholding umbenannt.

Statt den Gedanken des Verbundes mehrerer Versicherungsvereine will die Gruppe künftig die eigene Marke Gothaer wieder betonen. Auch die mit kräftigen Beitragserhöhungen gerade sanierte Berlin-Kölnische Krankenversicherung wird in Gothaer Krankenversicherung umbenannt.

Görg erwartet für 2002 Beitragseinnahmen von 4,1 Mrd. Euro, eine Steigerung um 4,5 Prozent. Während der Konzern bestimmte Geschäftszweige wie die Kreditversicherung ganz aufgab, will er in der Lebensversicherung im laufenden Jahr um 7,5 Prozent auf 1,56 Mrd. Euro Prämie zulegen. Dass läge deutlich über den für den Markt erwarteten 4,5 Prozent. Das Neugeschäft werde um 18 Prozent auf 387 Mio. Euro Jahresbeitragssumme steigen, sagte Reinhard Blei, Chef der Gothaer Leben. Er führte das vor allem auf den hohen Anteil der betrieblichen Altersversorgung zurück. Auch bei der Gothaer wirken sich die schlechten Kapitalmarktergebnisse aus: Die Überschussbeteiligung der Kunden soll bei der Gothaer Leben um 1,3 Prozentpunkte auf immer noch hohe 5,6 bis 6 Prozent (je nach Produkt) und beim Direktversicherer Asstel um 0,5 Punkte auf 6,8 bis 7,4 Prozent gesenkt werden.

Sollte der Kapitalmarkt so negativ bleiben, will die Gothaer aus eigenen Mitteln das Eigenkapital der Gothaer Leben vorübergehend aufstocken, um deren Bilanzstärke zu erhalten.

Quelle: Financial Times Deutschland


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