W&W zieht Konsequenz aus Krisenjahr

Bauspar-und Versicherungsgruppe erneut mit hohem Verlust “ Restrukturierungsprogramm aufgelegt

Von Herbert Fromme, Köln Der Bauspar-und Versicherungskonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) wird auch 2002 rote Zahlen schreiben. Vorstandschef Gert Haller nannte hohe Schäden aus Naturereignissen, Verluste aus Aktien und Abschreibungsbedarf bei Töchtern als Gründe. Jetzt soll die Versicherungsseite des Misch-Finanzkonzerns einem rigiden Restrukturierungs-und Kostensenkungskurs unterworfen werden. Für 2004 erwartet Haller eine „deutliche Verbesserung“.

Haller ist in Erklärungsnot. Der Bausparkassenchef hatte 2001 zum absoluten Ausnahmejahr erklärt, in dem das World Trade Center und der Einbruch der Aktienkurse zu einem Verlust nach Steuern von 66 Mio. Euro für den 1999 gebildeten Konzern führten. Für 2002 ging er von einer Rückkehr in die Gewinnzone und einem Ertrag von 118 Mio. Euro aus.

Das ist gründlich fehlgeschlagen. Auch für das laufende Jahr muss die Gruppe mit einem Verlust von 66 Mio. Euro nach Steuern rechnen. Die Holding W&W AG kommt sogar auf einen Jahresverlust von 90 Mio. Euro, nach 162 Mio. Euro im Vorjahr.

Haller hatte eine ganze Reihe von Gründen parat, warum das schlechte Ergebnis zustande kam, „obwohl wir eigentlich im normalen Versicherungsgeschäft durchaus Erfolge hatten“, wie der Vorstandschef sagt.

Erneut macht die Börsenentwicklung der W&W 2002 einen Strich durch die Rechnung, die Kapitalerträge sind 170 Mio. Euro niedriger als im Vorjahr. Dazu kommen Schäden aus Stürmen, Hagelschlägen und der Flut, die mit 106 Mio. Euro zu Buche schlagen. Davon tragen die Rückversicherer die Hälfte.

Zudem musste die W&W Verluste von Tochterunternehmen im Versicherungsbereich übernehmen – vor allem der niederländischen Erasmus und der Wüba in Heilbronn – und ihre Beteiligungen an diesen Unternehmen abschreiben. Auch die Wüstenrot Hypothekenbank hat Abschreibungsbedarf auf inländische Kredite. Gesamtbelastung aus den Töchtern: 85 Mio. Euro.

Mit diesen Kosten seien alle absehbaren Probleme abgedeckt, beteuerte Haller. „Wir haben ein richtiggehendes Bereinigungsprogramm, das schafft die Basis für künftige Erträge.“ Entsprechend will die Gruppe auch bilanzschonende Maßnahmen wie die Erzeugung von „stillen Lasten“ nur dann einsetzen, wenn sie steuerlich geboten sind.

Haller kündigte ein „durchorganisiertes Restrukturierungsprogramm“ für die Württembergische Versicherung an, den größten Schaden-und Unfallversicherer der Gruppe. Bis 2005 will er den Ertrag um 80 Mio. Euro steigern. Dazu soll vor allem ein besseres Ergebnis in der Versicherungstechnik beitragen.

Die Schaden-und Kostenquote von jetzt 103 bis 105 Prozent der Beitragseinnahmen soll Versicherungsvorstand Edmund Schwake auf deutlich unter 100 Prozent drücken. Von den 4492 Arbeitsplätzen bei den W&W-Versicherungen will der Vorstand 580 im Laufe der nächsten drei Jahre streichen, davon 260 bereits im kommenden Jahr.

Die Wüba ist schon mittendrin in einem mit McKinsey ausgearbeiteten Umbau und wird 190 von 500 Arbeitsplätzen bis 2004 abbauen. Offenbar wird die Braut Wüba „schön gemacht“ für einen Verkauf, nachdem frühere Versuche, das ungeliebte Konzernmitglied an den Mann zu bringen, gescheitert sind.

Die Wachstumszahlen des Konzerns spiegeln die komplizierte Lage wider. In der Schaden-und Unfallversicherung steht der Ertrag, nicht das Volumen im Vordergrund, entsprechend leidet das Neugeschäft. In der Lebensversicherung ist wegen der Aktienbaisse das in den letzten Jahren stark ausgebaute Geschäft mit Fondspolicen eingebrochen.

Außerdem blieben die verkauften Riester-Renten mit 42 000 weit unter den erwarteten 150 000 Verträgen. Die Beitragssumme des Leben-Neugeschäfts geht voraussichtlich um 11,5 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro zurück. In 2003 sinkt die Überschussbeteiligung, das wichtigste Instrument im Wettbewerb, um 1,3 bis 1,4 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent.

Nichts wissen will Haller von einer Zusammenlegung der nach wie vor getrennt marschierenden Vertriebe der Wüstenrot und der Württembergischen. Das sei kontraproduktiv. Trotzdem ist er von dem Konzernmodell, einen Baufinanzierer mit einem Versicherer zusammenzulegen, weiter überzeugt. Die Synergieeffekte seien messbar.

Zitat:

„Wir haben ein richtiggehendes Bereinigungsprogramm“ – W&W-Chef Haller

Bild(er):

Unwetter wie Sturmtief „Jeanett“, das diesen Kirchturm in Großdobritz traf, schaden auch W&W – ddp/Norbert Millauer.

Quelle: Financial Times Deutschland


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