Lockheed holt Blohm + Voss ins Boot

Milliardenauftrag der US-Marine winkt “ Hamburger liefern Modularkonzept

Von Gerhard Hegmann, München, und Herbert Fromme, Köln Der deutsche Schiffbauer Blohm + Voss, der zu ThyssenKrupp gehört, will gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hochmoderne Kriegsschiffe für die Marine der USA entwickeln. Beide Konzerne unterzeichneten Ende der Woche einen Kooperationsvereinbarung, um den Milliardenauftrag der Marine zu ergattern.

„Die Vereinbarung ist auch deshalb sehr bedeutend, weil die US-Küstenwache ein ähnliches Anschaffungsprogramm verfolgt, das so genannte Deep-Water-Projekt“, sagte Herbert von Nitzsch, der Chef von ThyssenKrupp-Werften, der FTD. Auch hier könne das deutsche Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Lockheed ist einer der Systemführer für Deep Water.

Die Marine der USA will sehr schnell 60 Küstengefechtsschiffe (Littoral Combat Ships oder LCS) zur Kriegsführung und Terrorabwehr in landnahen Gewässern bestellen. Die Schiffe sollen pro Stück 220 bis 250 Mio. $ kosten. Der Gesamtauftrag ist damit 13 bis 15 Mrd. $ wert. Die Schiffe werden wahrscheinlich in den USA gefertigt.

Schon 2004 soll der Bau beginnen, 2007 die ersten Schiffe geliefert werden. Um Zeit zu gewinnen, hat das Verteidigungsministerium der USA traditionelle Ausschreibungsverfahren ausgesetzt und statt dessen sechs Unternehmen beauftragt, innerhalb von 90 Tagen Konzepte vorzulegen. Neben Lockheed sind das Northrop Grumman, General Dynamic, Textron sowie zwei Schiffsentwicklungsbüros. Lockheed Martin hat die US-Werft Bollinger, Blohm + Voss sowie drei Spezialfirmen in sein Konsortium geholt. Lockheed ist gleichzeitig noch Mitglied zweier weiterer Bietergemeinschaften.

Die Marine verlangt für die LCS hohe Flexibilität. Schiffe des selben Grundtyps sollen mit Systemen zum Minensuchen, für die U-Boot-Bekämpfung oder für Überwasser-Gefechte ausgerüstet werden können. Blohm + Voss hat dazu ein passendes Baukasten-System im Angebot, das für die so genannten Meko-Fregatten und Korvetten entwickelt wurde. Die Vereinbarung zwischen Blohm + Voss und Lockheed folgt der transatlantischen Kooperation zwischen dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman und der deutschen HDW-Gruppe im Bereich U-Boot-Bau und Küstenschutzschiffe, die HDW bei seiner Tochterfirma Kockums in Schweden fertigt.

Experten sehen in den Kooperationen einen Beleg für die technologisch herausragende Stellung des deutschen Marineschiffbaus. Von der Modernisierung des US-Küstenschutzes profitiert bereits der europäische Luftfahrtkonzern EADS, der mit der Modernisierung von Hubschraubern und neuen Aufklärungsflugzeugen im Deep-Water-Programm betraut wurde.

Lockheed Martin und Blohm + Voss haben bereits eine langjährige Partnerschaft. Lockheed liefert Radartechnologie und Lenkwaffen-Abschusscontainer für Blohm + Voss-Fregatten, die nach dem Meko-Konzept gebaut werden. Derartige Schiffe sind bisher an elf verschiedene Marinen verkauft worden.

Quelle: Financial Times Deutschland


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