Versicherungspleite in Australien hat juristische Folgen

EuroStaatliche Kommission fordert Anklagen gegen HIH-Manager

Von Herbert Fromme, Köln Die staatliche Kommission, die in Australien den Kollaps des zweitgrößten Versicherers HIH im März 2001 untersucht hat, ist bei ihren zweijährigen Ermittlungen auf zahlreiche Managementfehler, gefälschte Bilanzen und andere kriminelle Machenschaften gestoßen. In ihrem Montag und Dienstag vorgetragenen Abschlussbericht, der einem Plädoyer gleicht, verlangten die Anwälte der Royal Commission – der höchsten Untersuchungskommission im Lande – Anklagen gegen eine Reihe von HIH-Verantwortlichen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ab heute können Manager, Wirtschaftsprüfer und Versicherungsaufseher, die von den Anwälten heftig kritisiert wurden, antworten.

Die HIH-Pleite mit einem Schaden von mehr als 3 Mrd. Euro war das Ergebnis einer skrupellosen Wachstumsstrategie, verbunden mit überhöhten Hoffnungen auf Gewinne aus Aktien.

Unter anderem zeichnete die HIH in Kalifornien im großen Stil verlustbringende Arbeiter-Unfall-Policen, stieg in London in den Haftpflichtmarkt ein und versicherte und finanzierte zahlreiche Hollywoodfilmrisiken. Als sich die Schere zwischen Einnahmen und kräftig steigenden Schadenzahlungen aus Problemverträgen öffnete, versuchte das Management mit Erfolg, mit Bilanztricks das wahre Ausmaß der Katastrophe lange geheim zu halten.

Die HIH-Gruppe wuchs in den 90er Jahren um durchschnittlich 26 Prozent pro Jahr und hatte zuletzt 200 Tochtergesellschaften. Besonders umstritten war die Übernahme der FAI Insurance im Jahr 1998 für 300 Mio. Australische Dollar. Spätere Berechnungen gingen von einem tatsächlichen Wert der FAI von 100 Mio. Australischen Dollar aus. Das HIH-Management hatte auf die genaue Untersuchung des FAI-Zustands (Due Diligence) verzichtet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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