Verlustreiche Börsengeschäfte bescheren DKV Ergebniseinbruch

Krankenversicherer will selbst Ärztehäuser gründen

Von Herbert Fromme, Köln Die Börsenkrise hat EuroDeutschlands größten Krankenversicherer kalt erwischt. Die Deutsche Krankenversicherung, die zur Münchener Rück gehört, erlitt hohe Verluste aus dem Verkauf von Aktien und musste Abschreibungen vornehmen – zusammen in Höhe von 630 Mio. Euro.

Das Unternehmen hatte voll auf die Börse gesetzt und dort 24,6 Prozent der Kapitalanlagen – größtenteils Alterungsrückstellungen für die 788 000 vollversicherten Kunden – investiert, viel mehr als die Konkurrenz.

Von dieser Strategie ist DKV-Chef Jan Boetius weiterhin überzeugt. „An der Kapitaldeckung und der Aktie führt langfristig kein Weg vorbei“, sagte Boetius. Zurzeit macht die Aktienquote immer noch 19,3 Prozent der Kapitalanlagen aus. Ausgestanden ist das Problem noch nicht: Die DKV hat weitere Abschreibungen hinausgezögert, also stille Lasten gelegt. Ihre Höhe wollten Boetius und Finanzchef Hans-Josef Pick aber nicht beziffern.

Die hohen Verluste an der Börse überschatteten Erfolge in anderen Feldern. Die Ausgaben für Versicherungsfälle stiegen nur um 2,1 Prozent, während es 2001 noch 7,1 Prozent waren. Rigidere Rechnungskontrollen zahlten sich aus. Bei der Kostensenkung setzt Boetius künftig auf eigene Ärztehäuser: In Köln wird das erste Gesundheitszentrum gegründet, das von der DKV gemanagt wird und nur Privatpatienten behandelt. Die Honorare der Ärzte richten sich zum Teil nach Behandlungserfolg und Kosteneinsparungen.

Auch beim Wachstum ging es der DKV 2002 besser als in anderen Jahren. Die Beiträge der Muttergesellschaft DKV AG stiegen um 2,7 Prozent auf 3,04 Mrd. Euro. Bei den vollversicherten Kunden erreichte die DKV einen Zuwachs von 2,6 Prozent – allerdings zum Preis erneut steigender Abschlusskosten, die bei stolzen 11,7 Prozent der Beiträge lagen. Die Verwaltungskosten gingen dagegen um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent zurück.

Beim Gewinn wird das Krisenjahr 2002 deutlich. Anstatt 69 Mio. Euro verdiente die Gesellschaft nur 10 Mio. Euro vor Steuern. Weil sie zurückgelegte und höher besteuerte Gewinne ausschüttete, konnte sich die DKV über eine Steuergutschrift von 24 Mio. Euro freuen, statt wie im Jahr zuvor 4 Mio. Euro zahlen zu müssen. Trotzdem erhält die Münchener-Rück-Holding Ergo nur eine Gewinnabführung von 34 Mio. Euro statt 65 Mio. Euro.

Zitat:

„An der Aktie führt langfristig kein Weg vorbei“ – DKV-Chef Jan Boetius.

Quelle: Financial Times Deutschland


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