Bilanznot der Versicherer lässt Regierung kalt

Aktienkrise zwingt Konzerne zu hohen Abschreibungen

Von Claus Hulverscheidt, Berlin, und Herbert Fromme, Köln Die mit dem hohen Wertverlust ihrer Aktienbestände kämpfenden Lebensversicherer können vorerst nicht auf Hilfe der Bundesregierung zählen. „Wir befinden uns mit der Versicherungswirtschaft im Gespräch“, sagte ein Regierungsbeamter. „Weder im Kanzleramt noch im Finanzministerium besteht aber bislang irgendeine Neigung, auf die Forderung nach einer Verlängerung der gesetzlichen Abschreibungsfristen einzugehen.“

Nach Hochrechnungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hatten die Lebensversicherer Ende 2002 „stille Lasten“ von 15 bis 20 Mrd. Euro auf ihren Aktienbeständen. Ihre Aktienanlagen stehen mit rund 50 Mrd. Euro in den Büchern, hatten aber am 31. Dezember 2002 nur einen Wert von 30 bis 35 Mrd. Euro.

Die Unternehmen verlangen mehr Zeit, um die Wertverluste 2003 nicht komplett abschreiben zu müssen. Sonst drohten schlechte Ergebnisse; das Eigenkapital vieler Lebensversicherer könnte aufgebraucht werden. Am Donnerstag hatte Victoria Leben erklärt, sie habe „stille Lasten“ in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Sie fiel bei einem obligatorischen Test der Finanzaufsicht durch.

In Regierungskreisen hieß es jedoch, dass nach den Wirtschaftsskandalen um US-Konzerne wie Enron und Worldcom nicht der Verdacht aufkommen dürfe, dass Probleme mit Bilanzkosmetik übertüncht würden. „Außerdem können wir nicht jährlich die Regeln ändern“, hieß es weiter.

Trotz der deutlichen Worte kamen gestern aus Berlin auch verständnisvollere Töne. Sollte der Dax in Folge des Irak-Kriegs weiter stark einbrechen, müsse die Forderung der Versicherungswirtschaft neu bewertet werden.

Weiterer Bericht Seite 19.

Quelle: Financial Times Deutschland


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