Allianz macht Hoffnung auf Rückkehr in Gewinnzone

Konzern peilt schwarze Zahlen schon im zweiten Quartal an · Abschreibungen auf Aktien problematisch · Zweifel an Ertragswende bei Dresdner Bank

Von Herbert Fromme, Köln, und Rolf Lebert, Frankfurt Mit kräftigem Wachstum, verbesserten operativen Zahlen und der Aussicht auf die Rückkehr in die Gewinnzone im zweiten Quartal hat die Allianz am Freitag die Kapitalmärkte beeindruckt. Trotz des Verlustes von 520 Mio. Euro für das erste Quartal, der deutlich über den Analystenerwartungen lag, legte der Allianz-Kurs geringfügig auf 67,35 Euro zu.

Dabei hatte die Allianz die Veröffentlichung der Quartalsverluste für die Bekanntgabe weiterer unangenehmer Nachrichten genutzt. Controlling-Vorstand Helmut Perlet stellte das Ziel der angeschlagenen Tochter Dresdner Bank, in diesem Jahr ein operativ ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, in Frage. „Es wird sehr, sehr schwierig, die operative Null zu erreichen“, sagte Perlet.

Bisher galt es als Hauptziel des noch vom ehemaligen Vorstandschef der Dresdner Bank Bernd Fahrholz angestoßenen Programms „Turnaround 2003“, im eigentlichen Bankgeschäft eine „schwarze Null“ zu schreiben. In der Konzernrechnung trug der Bankbereich 424 Mio. Euro zum Gesamtverlust bei.

Auch bei den Aktienanlagen gibt es noch keine Entwarnung. Im zweiten Quartal muss der Konzern voraussichtlich noch einmal bis zu 500 Mio. Euro abschreiben. Das ist zwar weniger als die 2,3 Mrd. Euro des ersten Quartals, die sich mit 0,8 Mrd. Euro im Ergebnis niederschlugen, belastet aber auch das neue Ergebnis beträchtlich.

Trotzdem machte Perlet den Anlegern Hoffnung: Wenn die Aktienmärkte mindestens auf dem heutigen Stand bleiben, erwartet er für das zweite Quartal ein positives Gesamtergebnis – nach vier Verlustquartalen in Folge. Dazu tragen vor allem die operativen Verbesserungen bei. „Wir haben die Weichen richtig gestellt“, sagte er.

Die Prämieneinnahmen der Versicherer des Konzerns legten im ersten Quartal um 9,8 Prozent auf 27,6 Mrd. Euro zu. Die als Messlatte wichtige Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) verbesserte sich von 103,4 Prozent der Beitragseinnahmen im ersten Quartal 2002 auf 97,7 Prozent im Berichtszeitraum. Zwar ist das zum Teil den gesunkenen Zuführungen zu den Rückstellungen geschuldet, ein positiver Trend ist aber erkennbar. „Unsere Restrukturierungsprogramme machen gute Fortschritte“, sagte Perlet und bezog sich damit auf die Baustellen in Frankreich, in den USA und bei der Industrieversicherung.

In der Lebens-und Krankenversicherung erlitt der Konzern weltweit einen kleinen Verlust von 13 Mio. Euro. Für die Allianz Leben in Stuttgart betrug er sogar 71 Mio. Euro. Perlet erklärte, das Tochterunternehmen habe Portfoliobereinigungen vorgezogen und dabei Verluste realisiert. Die ungewöhnliche Erhöhung der Kostenquote von 11,9 Prozent auf 16,6 Prozent bei Allianz Leben liege an der Fusion mit der Vereinten Leben.

Das erste Quartal der Dresdner Bank deckte sich in der Grundtendenz mit der Geschäftsentwicklung bei anderen Großbanken. Klaus Rosenfeld, der Finanzvorstand der Dresdner Bank, bezifferte in einer Mitarbeiterinformation das operative Ergebnis der Bank auf plus 72 Mio. Euro, nach einem Minus von 154 Mio. Euro vor einem Jahr.

Rosenfeld wollte das erste Quartal nicht überbewerten. Obwohl es für die Bank zufrieden stellend verlaufen sei, wäre es verfrüht, daraus schon eine Trendaussage für das Gesamtjahr abzuleiten.

Er stellte klar, dass sich die Unterschiede zwischen dem Segment Banking der Allianz und den separaten Zahlen der Dresdner Bank im Wesentlichen im nichtoperativen Bereich auswirkten. Nach Steuern ergab sich für die Dresdner Bank allein ein Verlust von 186 Mio. Euro. Bei den um Konsolidierungseffekte bereinigten Erträgen von 1,95 Mrd. Euro war ein Anstieg um drei Prozent zu verzeichnen.

Besonderes stark nahm das Handelsergebnis zu, das um 158 Prozent auf 607 Mio. Euro zulegte. Dem stand eine Absenkung des bereinigten Verwaltungsaufwandes um 15 Prozent auf 1,53 Mrd. Euro gegenüber.

Beide Unternehmensbereiche hätten positive Ergebnisse abgeliefert, erklärte Rosenfeld. Der Bereich Private Kunden und Geschäftskunden verdiente demnach 30 Mio. Euro, Corporates & Markets, zu dem Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) gehört, wies ein Ergebnis von 63 Mio. Euro aus. Analysten blieben gleichwohl skeptisch. „Den Turnaround im Investmentbanking sehe ich noch nicht, aber eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau“, sagte Werner Schirmer von der Landesbank Baden-Württemberg.

Für den neuen Vorstandschef Herbert Walter bleibt viel zu tun. Der Druck, einen neuen Schwächeanfall durch weitere Einsparungen zu kompensieren, dürfte sich verstärken.

Perlet äußerte sich zurückhaltend über die Zukunft der Investmentbank DrKW. „Unsere erste Priorität ist, DrKW profitabel zu machen“, sagte er. Mittelfristig prüfe der Konzern aber alle Optionen. Mit der Annahme, dass DrKW profitabel sein könne, liege man angesichts der jüngsten Zahlen jedoch nicht ganz falsch.

Zitat:

„Wir haben die Weichen richtig gestellt“ – Allianz-Vorstand Helmut Perlet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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